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Schlagwort: Jesus

Die vielen Götter und der eine Gott

Die vielen Götter und der eine Gott

„Warum müssen die Christen immer Jesus in den Mittelpunkt stellen? Reicht es nicht, über Gott zu reden?“ Solche Fragen höre ich öfter. Gerade im Gespräch mit anderen Religionen ist die Frage nach Jesus zentral. Welche Bedeutung hat er? Ist er, wie der Islam sagt, nur ein Prophet und Vorläufer von Mohammed? Oder ist er, wie manche Hindus sagen, einfach ein weiterer Avatar, eine neue Erscheinungsweise der ewigen Gottheit, in einer Reihe mit Krishna und anderen?

Wenn wir doch so viel gemeinsamen Boden haben und alle auf unsere Weise an Gott glauben, wieso müssen dann Christen immer noch auf Jesus und dem Glauben an ihn bestehen? Wäre es nicht besser, im Sinne des Welt- und Religionsfriedens Gemeinsames zu betonen und Trennendes außen vor zu lassen? Reicht es nicht, von Gott zu reden — muss es unbedingt auch noch Jesus sein?

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„Es erschien ihnen nur so…“ – Inkarnatorische Realität oder mythische Rede?

„Es erschien ihnen nur so…“ – Inkarnatorische Realität oder mythische Rede?

Wir glauben… an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn,
der aus dem Vater geboren ist vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrhaftiger Gott vom wahrhaftigen Gott,
geboren, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn sind alle Dinge geschaffen.

Er ist für uns Menschen und zu unserm Heil vom Himmel gekommen,
Fleisch geworden durch den Heiligen Geist und die Jungfrau
Maria und ist Mensch geworden,
er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
er ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

So lautet das nizänische Glaubensbekenntnis aus dem Jahr 381 n.Chr. Stimmt das eigentlich? Ist Jesus wirklich der Sohn Gottes? Ist er wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich? Ist Jesus der Mensch gewordene Gott?

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Unterwegs im Heiligen Land

Unterwegs im Heiligen Land

Unterwegs im Heiligen Land – eine neue Serie, aufgenommen im Juli 2018.

Jerusalem, Bethlehem, Qumran und noch mehr.

Orte und Ereignisse, die unsere Welt verändert haben.

Anschauen, genießen, lernen, weiterempfehlen!

Der Skandal des Kreuzes – Warum das Kreuz so anstößig ist

Der Skandal des Kreuzes – Warum das Kreuz so anstößig ist

Zwei Balken, der eine in die Erde gerammt, der andere hochgezogen und oben quer in eine Einkerbung eingepasst. Ein Mensch, der daran hängt, angenagelt, bis er stirbt. Kreuzigung im römischen Reich.

Die Römer hatten sich zu Experten in Sachen Kreuzigung entwickelt. Sie hatten diese grausame Hinrichtungsart von ihren Erzfeinden, den Karthagern, übernommen, die sie in den drei großen punischen Kriegen niedergezwungen hatten. Ohne Zweifel war dies eine der grausamsten Methoden, mit der Menschen auf brutale und schreckliche Weise getötet wurden.

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Von Jesus sehen lernen – Ein biblischer Zwischenruf zur Debatte um Moral und Toleranz

Von Jesus sehen lernen – Ein biblischer Zwischenruf zur Debatte um Moral und Toleranz

Als Jesus die Menschenmassen sah, erfasste ihn großes Erbarmen mit ihnen, denn sie waren völlig am Ende, verlassen und verloren wie Schafe, um die sich kein Hirte kümmert. Da schärfte er seinen Schülern ein: »Schaut genau hin! Hier ist eine große Möglichkeit zu ernten! Doch es gibt nur wenige Menschen, die mit ganzer Kraft daran arbeiten, dass diese Ernte eingefahren wird. Deshalb bittet den Herrn, dem die Erntefelder gehören, darum, dass er seine Erntearbeiter auf die Felder hinausschickt!«

Mt 9, 36-38 (Übersetzung: das buch.)

 

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.

Antoine de St. Exupéry

 

Was gibt es Neues?

Dass es Sünde in der Welt gibt, ist noch keine Neuigkeit mit Nachrichtenwert. Dass es Vergebung und Lebenserneuerung gibt, schon. Denn das ist das Unerwartete. Und das ist der Kern des Evangeliums. Denn „Evangelium“ bedeutet „gute Nachricht“. Die Nachricht, dass es eine Lösung gibt, die von Gott kommt und die er sicher durchsetzen wird, zum Heil und Wohl der Welt. Deshalb lautet die Botschaft der Engel auch: „Habt keine Angst! Denn ich bin hier, um euch eine wunderbare Nachricht zu bringen! Große Freude bedeutet sie für alle Menschen. Heute ist für euch der Weltenretter geboren, der Messias, der rechtmäßige Herr, und zwar in dem Heimatort von David.“ (Lukas 2, 10-11, Übersetzung „das buch.“)

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Jesus zuerst – Warum die Fixierung auf Jesus notwendig ist

Jesus zuerst – Warum die Fixierung auf Jesus notwendig ist

Warum müssen die Christen immer Jesus in den Mittelpunkt stellen? Reicht es nicht, über Gott zu reden? Solche Fragen sind öfters zu hören. Gerade im Gespräch mit anderen Religionen ist die Frage nach Jesus zentral. Welche Bedeutung hat er? Ist er, wie der Islam sagt, nur ein Prophet und Vorläufer von Mohammed? Oder ist er, wie manche Hindus sagen, einfach ein weiterer Avatar, eine neue Erscheinungsweise der ewigen Gottheit, in einer Reihe mit Krishna und anderen? Im Gespräch von Christen mit gläubigen Juden fällt manchmal der Satz: „Der Glaube Jesu eint uns, der Glaube an Jesus trennt uns!“

Wenn wir doch soviel gemeinsamen Boden haben und alle auf unsere Weise an Gott glauben, wieso müssen dann Christen immer noch auf Jesus und dem Glauben an ihn bestehen? Wäre es nicht besser im Sinne des Welt- und Religionsfriedens, Gemeinsames zu betonen und Trennendes außen vor zu lassen? Reicht es nicht, von Gott zu reden – muss es unbedingt auch noch Jesus sein?

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Der gezähmte Jesus – Was die Religionen über Jesus sagen

Der gezähmte Jesus – Was die Religionen über Jesus sagen

Ich hatte als Student die großartige Gelegenheit, neben Theologie und afrikanischen und semitischen Sprachen mich auch intensiver mit der vergleichenden Religionswissenschaft, oder wie das Fach auch genannt wird, mit der Religionsgeschichte zu beschäftigen. Unter anderem war mein Lehrer Prof. Dr. Dr. Ernst Dammann, der in diesem Jahr kurz vor seinem neunundneunzigsten Geburtstag gestorben ist.

Ernst Dammann, der einige Standardwerke verfasst hat, machte uns vor allem auf das Phänomen der nachchristlichen Religionen aufmerksam. Mit anderen Worten: Die Religionen können in vorchristliche und nachchristliche eingeteilt werden.

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Gott – ein Suchbild?

Gott – ein Suchbild?

Gott zu finden ist möglich. Vom Ende der Religionen.

Es ist schon erstaunlich, dass sie immer neu gestellt wird: die Frage nach Gott. Zu allen Zeiten, in jeder Kultur, in jeder Region auf der Erde. Die Frage nach Gott lässt die Menschheit nicht los.

Dabei sind die Vorstellungen von Gott, von dem, wer oder was er ist, so vielfältig wie die Menschen selbst. Während uns die Frage, ob es einen Gott gibt (und wenn ja, wie er ist und was er will) vereint, trennen uns die Antworten umso deutlicher. Denn die Bilder von Gott, die in den verschiedenen Religionen zu finden sind, unterscheiden sich oft grundlegend voneinander.

 

Ein Gott oder viele Götter?

Während Judentum, Christentum und der Islam von einem einzigen Gott ausgehen, herrscht in vielen anderen Kulturen die Ansicht, dass der Himmel gleich mit einer ganzen Göttersippe bevölkert sei. So glaubten die Germanen an Odin und Freya, an Thor und Tiu und viele andere aus den Götterfamilien der Asen und Wanen. Die Griechen hatten Zeus und Hera, Aphrodite und Apollo sowie eine ganze Schar von Halbgöttern, die in nicht immer ungetrübter Eintracht auf dem Olymp hausten. Die Römer übernahmen die Idee der Griechen. So entsprach bei ihnen Jupiter dem griechischen Zeus, Venus der Aphrodite, Diana der Artemis und so weiter. Jede dieser Gottheiten hatte spezifische Aufgaben. Und auch die alten Ägypter identifizierten die verschiedenen Götter mit bestimmten Funktionen. Oder besser ausgedrückt: Bestimmte Naturphänomene wurden „vergottet“. So wurde die Sonne zum Sonnengott Re und auch der Nil war ein Gott.

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Demokratie. Gabe und Aufgabe. – Ein Zwischenruf

Demokratie. Gabe und Aufgabe. – Ein Zwischenruf

1

Demokratie – nicht selbstverständlich

Dass Demokratie nicht selbstverständlich ist, macht ein Blick in die Geschichte klar. Selbst das vielgerühmte Griechenland brachte in der klassischen Zeit keine echte Demokratie hervor, auch wenn sie sich so nannte. Denn beileibe nicht das ganze „Volk“ – das ist die Übersetzung des Wortes „demos“ wahr hier wahlberechtigt, sondern nur die freien Männer, die Land besaßen. Ausgeschlossen von Herrschaft und Wahlmöglichkeit waren die Frauen, die Unfreien und Sklaven und natürlich auch die Fremden. In den griechischen Stadtstaaten gab es also maximal eine Herrschaft der wenigen Reichen.

Dass Demokratie nicht selbstverständlich ist, zeigt zweitens auch der Blick in die Welt um uns herum. Es gibt in unserer Zeit noch an vielen Stellen Diktaturen oder auch die Herrschaft einer Bevölkerungsgruppe über die anderen. Manchmal ist diese Wirklichkeit kaschiert durch scheinbar demokratische Formen. Doch Staaten mit Einparteiensystemen können nicht wirklich den Namen Demokratie für sich beanspruchen, auch, wenn der Form nach Wahlen durchgeführt wurden.

Die Länder, in denen wirkliche Demokratie herrscht, und zwar nicht nur dem Namen nach, sind immer noch in der Minderheit. Und ein zweites fällt auf: Es sind vor allem die Länder, die kulturell und geistesgeschichtlich zum so genannten „christlichen Abendland“ gehören, in denen sich demokratische Strukturen herausgebildet haben. Noch genauer gesagt: Es sind die Länder, die von der Reformation am stärksten beeinflusst wurden, in denen sich demokratische Staatsformen am deutlichsten und am dauerhaftesten herausbilden konnten.

2

Demokratie – eine Frucht der Bibel

Das kommt nicht von ungefähr. Die Zugänglichkeit der Bibel in der Muttersprache spielte dabei eine zentrale Rolle. Denn in ihr werden grundlegende Wahrheiten gelehrt, die zur Entstehung und zum Erhalt von demokratischen Strukturen unerlässlich sind. Dazu gehört ganz zentral die Aussage, dass die Menschen, Männer und Frauen, im Ebenbild Gottes geschaffen sind und deshalb eine unveräußerliche Würde besitzen. Genauso wichtig war und ist die Betonung der Bibel auf Recht und Gerechtigkeit. Gerade die prophetischen Bücher des Alten Testament sparen nicht mit Kritik an den Herrschenden und fordern sie im Namen Gottes auf, gerecht zu handeln und das Recht des Einzelnen, auch gerade das des Armen und Schutzlosen zu achten und zu verteidigen. Im Alten Testament gibt es durchgängig eine Kritik an jeder Form von absoluter Herrschaft. Gerade weil Gott der wahre König ist, wird das Königtum kritisch gesehen und selbst Könige zur Rechenschaft gezogen.

Weil das Vorwort der frühen englischen Bibelübersetzung von Wycliffe genau diese Gedanken enthielt, war die Bibelübersetzung in England im späten Mittelalter verboten. Krone und Altar fürchteten sich vor der demokratisierenden Kraft der Bibel.

Es ist bezeichnend, dass die Worte von Thomas Jefferson über das „…..right“ aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung fast wörtliche Zitat aus der Einleitung zur Bibel von Wycliffe sind.

Erst als die Bibel in den folgenden Jahrhunderten, vor allem durch die Reformation, den Menschen Europas in ihren Muttersprachen zugänglich wurden, konnten die Ansprüche des Papsttums und des Kaisertums auf absolute Macht zurückgedrängt werden. Dass das nicht ohne Kämpfe ging, zeigt die Geschichte besonders in Frankreich und im habsburgischen Österreich. In beiden Fällen war die Bibel nicht frei zugänglich – in Frankreich durch die Verfolgung der Hugenotten – oder für die einfachen Menschen verboten, so in der Gegenreformation der Habsburger Lande. Wo jedoch die Bibel auch in den Häusern gelesen und in den Kirchen gelehrt wurde, entwickelten ihre Gedanken eine Kraft, die schließlich nicht nur zur Aufklärung, sondern auch zur Entstehung der modernen demokratischen Staaten führte.

Durch die Missionen und auch durch den Einfluss des zumindest teilweise von dem Gedankengut und Wertesystem der Bibel geprägten Westens allgemein verbreiteten sich demokratische Gedanken in viele Länder weltweit. Wie schwer es jedoch ist, wirkliche Demokratie zu leben und echte demokratische Strukturen aufrecht zu erhalten ohne diese geistesgeschichtliche und werte-orientierte Grundlage, kann jeder aufmerksame Zeitgenosse tagtäglich in den Nachrichten beobachten. Denn Demokratie  ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ist eine Gabe und Frucht einer zumindest teilweise von der Bibel geprägten Gesellschaft, und muss deshalb immer neu erkämpft und gesichert werden.

3

Der Kampf um die Demokratie

Das kostbare Gut der Demokratie ist Gabe und Aufgabe zugleich. Denn genauso wie ein demokratisches Weltbild sich entwickeln kann, und darauf demokratische Regierungsformen aufgebaut werden können, kann ein umgekehrter Prozess in Gang kommen. Diese Erfahrung hat es leider in der Geschichte auch immer wieder gegeben. Deshalb ist Demokratie – auf allen Ebenen – in der kleinsten Gemeinschaft bis hin zum Staat – immer neu zu erarbeiten, ja zu erkämpfen. Die Grundlage ist der Respekt vor der Würde und damit verbunden vor dem Gewissen des Einzelnen. Es war ein Meilenstein der Geschichte, als Martin Luther vor der versammelten Machtfülle des Reichs und der Kirche sich auf die klare Vernunft und sein an die Bibel gebundenes Gewissen bezog. Die Folgen waren für ihn unabsehbar. Er hätte wie Jan Hus 100 Jahr zuvor auf dem Scheiterhaufen brennen können. Stattdessen gefiel es der göttlichen Vorsehung, sein Bekenntnis zu einem weltbewegenden Fanal werden zu machen, aus dem nicht nur die Reformation und die daraus folgenden Erweckungsbewegungen mit ihrer Segensgeschichte von Diakonie und Volksmission entstanden, sondern letztlich auch die Impulse, die, verbunden mit anderen, zur Herausbildung unserer freiheitlichen Demokratie wurden. Dass auch heute Mut und Gottvertrauen dazu gehören, unsere demokratischen Freiheiten und Ordnungen langfristig zu sichern und zu gestalten, ist eine Lektion, die wir immer neu lernen müssen.

Dr. Dr. Roland Werner ist Professor für Theologie im globalen Kontext an der Ev. Hochschule Tabor und Vorsitzender von proChrist.

(Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in der Zeitschrift „Neues Leben 3.2017“)