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Kategorie: Texte

Das Licht des Messias

Das Licht des Messias

Das Licht des Messias

Erhebe dich, du, der du schläfst, und steh auf von den Toten, und dann wird der Messias dich durch und durch erleuchten!
Epheser 5, 14

Für Faruk war es ein ganz besonderer Tag. Im Lauf der Jahre waren seine Augen immer schlechter geworden. Wenn er jetzt lesen wollte, musste er mit dem Buch in die Sonne treten und die Seite ganz nahe an seine Augen halten. Dabei war Leben und Studieren schon immer ein großer Teil seines Lebens gewesen. Und jetzt, wo er an einer Bibelübersetzung in die Sprache seines Volkes arbeitete, war es umso wichtiger, dass er gut sehen konnte. Wieso musste gerade jetzt seine Sehkraft so nachlassen? Eine gute Brille zu kaufen konnte er sich nicht leisten, den Besuch zum Augenarzt erst recht nicht. Die gab es in seinem Heimatland in Afrika sowieso nur in den großen Städten. Hier war guter Rat teuer. Doch eines Tages kam ein Team aus einem Nachbarland. Es waren Ärzte und Pastoren aus einem Missionskrankenhaus, die in diese einsame Gegend gekommen waren, um zu helfen, wo Hilfe nötig war. Sie besuchten auch Faruk in seinem kleinen Lehmhaus. Eine große Ehre war solch ein Besuch! Aber das Beste: Im Team war eine Augenärztin. Die untersuchte seine Augen. Ein paar Monate später hielt er dann seine neue Brille in den Händen. Diesen Tag hat er nie mehr vergessen.

Es ist ein besonderer Tag, wenn ein Mensch wieder sehen kann. Das gilt für das Augenlicht. Das gilt umso mehr für das Licht des Glaubens. Wenn ein Mensch aufwacht aus dem geistlichen Schlaf und die Augen öffnet für Gottes Wirklichkeit, ist das wie einer neue Geburt, wie ein Leben aus dem Tod. Diese Auferstehung und dieses Hellwerden besingt dieses urchristliche Lied, das Paulus den Ephesern in Erinnerung ruft: „Erhebe dich, du, der du schläfst, und steh auf von den Toten, und dann wird der Messias dich durch und durch erleuchten!“

Endlich aufwachen! Endlich die Augen öffnen! Das bedeutet Advent: Es wird wieder hell! In unseren Herzen strahlt es auf, das Licht des Messias Jesus.

Aufmerksamkeit: Ein anderes Wort für Liebe

Aufmerksamkeit: Ein anderes Wort für Liebe

Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an! Und er sah sie an und wartete darauf, dass er etwas von ihnen empfinge.

Apg 3, 4-5

Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb.

Mk 10, 21

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.

Antoine de St. Exupéry

 

Aufmerksamkeit ist das Herz des Gebets. So formulierte es die französische Philosophin Simone Weil, die in einer jüdischen Familie aufwuchs und als Erwachsene eine bewusste Hinwendung zu Christus vollzog.

Aufmerksamkeit ist auch die Grundvoraussetzung für wissenschaftliches Arbeiten. Denn schließlich kann man nur das untersuchen und erforschen, was man aufmerksam betrachtet.

Aufmerksamkeit gehört aber auch grundlegend zu einem geistlichen Leben. Mein väterlicher Freund und langjähriger Mentor Leighton Ford, der Schwager von Billy Graham, hat vor wenigen Wochen ein neues Buch herausgebracht. Es trägt den Titel „The Attentive Life“ – „Das aufmerksame Leben“. Im Untertitel macht er deutlich, worum es dabei im Tiefsten geht: „Gottes Gegenwart in allen Dingen erkennen“. Wir können lernen, aufmerksam durch die Welt zu gehen und überall Gottes Spuren zu entdecken.

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Etwas Schönes für Gott: Grundlagen einer geistlichen Ästhetik

Etwas Schönes für Gott: Grundlagen einer geistlichen Ästhetik

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Siehe, ich habe mit Namen berufen Bezalel, den Sohn Uris, des Sohnes Hurs, vom Stamm Juda, und habe ihn erfüllt mit dem Geist Gottes, mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit aller Geschicklichkeit, kunstreich zu arbeiten in Gold, Silber, Kupfer, kunstreich Steine zu schneiden und einzusetzen und kunstreich zu schnitzen in Holz, um jede Arbeit zu vollbringen.

2. Mose 31, 1-5

Deine Augen werden den König sehen in seiner Schönheit; du wirst ein weites Land sehen.

Jesaja 33, 17

Und er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem hernieder kommen aus dem Himmel von Gott, die hatte die Herrlichkeit Gottes; ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall.

Offenbarung 21, 10-11

Schönheit ist ein Thema in der Bibel vom ersten bis zum letzten Kapitel. Jeder einzelne Schöpfungstag wird kommentiert mit dem Satz: „Und siehe, war gut!“ Hierin – in der guten Schöpfung – ist auch das Merkmal der Schönheit mit enthalten. Das zeigt jeder Blick in die Natur, im kleinsten Detail und im großen Rahmen: Gott hat die Welt schön geschaffen. Die Psalmen besingen diese Schönheit der Schöpfung und zeigen, dass sich gerade darin die Herrlichkeit Gottes zeigt.

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Der Schatz in der Krippe: Von der bleibenden Geltung der Heiligen Schrift

Der Schatz in der Krippe: Von der bleibenden Geltung der Heiligen Schrift

Der Schatz in der Krippe

Von der bleibenden Geltung der Heiligen Schrift

Roland Werner

„Darum lass deinen Dünkel und Fühlen fahren, und halte von dieser Schrift als von dem allerhöchsten, edelsten Heiligthum, als von der allerreichsten Fundgrube, die nimmer genug ausgegründet werden mag, auf dass du die göttliche Weisheit finden mögest, welche Gott hier so alber (= einfach) und schlicht vorlegt, dass er allen Hochmuth dämpfe. Hier wirst du die Windeln und die Krippe finden, da Christus inne liegt, dahin auch der Engel die Hirten weist, Luc. 2,12. Schlichte und geringe Windeln sind es, aber theuer ist der Schatz, Christus, der drinnen liegt.“ (Martin Luther: Vorrede auf das Alte Testament)

„Der Herrn und Fürsten Briefe, sagt man, soll man dreimal lesen; aber wahrlich, unsers Herrn Gottes Briefe (denn so nennt St. Gregorius die Heilige Schrift) soll man dreimal, siebenmal, ja siebenzigmal siebenmal, oder, dass ich noch mehr sage, unendlichemal lesen.“ (Martin Luther zu 1. Mose 17,7)

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Geistlich denken – Geistlich leben – Eine kleine Tugendlehre in vier Teilen

Geistlich denken – Geistlich leben – Eine kleine Tugendlehre in vier Teilen

Teil 1: Ein Lob der Tugend

 

Weiter, liebe Brüder: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht.

Philipper 4, 8

So wendet alle Mühe daran und erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis und in der Erkenntnis Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Frömmigkeit und in der Frömmigkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe die Liebe zu allen Menschen. Denn wenn dies alles reichlich bei euch ist, wird’s euch nicht faul und unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus.

2. Petrus 1, 5-8

Von Tugend zu reden fällt uns nicht leicht. Jedenfalls uns Evangelischen nicht. Denn schließlich haben wir es gelernt, ja regelrecht mit der Muttermilch aufgesogen, dass wir durch die Gnade allein gerettet sind. Sola gratia – die alleingenügsame Gnade –, das ist der Grund unserer Existenz als Christen. Gott tut alles, und wir können nichts – oder fast nichts – tun. Welchen Platz hat da überhaupt das Reden von „Tugenden“? Schmeckt dieses Wort nicht nach Werkgerechtigkeit, danach, dass wir uns selbst unser Heil basteln wollen? Und riecht es nicht nach moralischer Selbstverbesserung, danach, dass man sich selbst einen höheren Stand erarbeiten will, von dem aus man dann die anderen herablassend beurteilen und vielleicht auch verurteilen kann?

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Prioritäten nach dem Refo-Hype – Wie Reformation heute gelingen kann

Prioritäten nach dem Refo-Hype – Wie Reformation heute gelingen kann

Wenige Themen werden gegenwärtig so sehr bemüht wie die Reformation. Nicht nur in der Kirche, nein auch Kultur und Politik, und nicht zuletzt der Tourismus – alle haben das Thema entdeckt. Im Jahr 2017 hat man fast den Eindruck, als wäre der ehemalige Mönch aus Wittenberg wieder wohlauf und lebte mitten unter uns.

Ja, Luther ist fast allgegenwärtig. Mal hübsch und eher harmlos als Playmobil-Männchen mit Buch und Feder, mal schmackhaft als Lutherkeks oder Lutherbier, und manchmal eher peinlich als Lutherzwerg aus Plastik.

Habe ich mir jetzt durch diese Aufzählung schon Feinde geschaffen? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall muss es einfach mal klar und deutlich gesagt werden: Wirkliche Hilfe für die Kirche in der gegenwärtigen Krise kommt auch nicht vom Refo-Hype, sondern, wenn überhaupt, von einer Wiederentdeckung und dann – dem Ernstnehmen von dem, was Luther wollte und seine Mitstreiter mit ihm. Wenn wir das verstehen, haben wir vielleicht eine Chance, gegen den Trend der Zeit als Kirche doch zu wachsen. Vielleicht nicht in Zahlen, gewiss aber in eine neue, und unbedingt notwendige geistliche Tiefe hinein.

In diese Richtung will ich denken, und einseitige Umdeutungen des Reformationsgeschehens möglichst schnell entsorgen.

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Alles Märchen oder was? – Außerbiblische Hinweise auf Jesus

Alles Märchen oder was? – Außerbiblische Hinweise auf Jesus

Ich war in Moskau und hielt einen Vortrag an der Universität. Thema: Die Sache mit Jesus. Stimmt sie? Wer war Jesus? Was können wir verbindlich über ihn wissen? Dabei stellte ich dar, wie zuverlässig die Bibel ist, welche außerbiblischen Quellen auch noch über Jesus berichten, und was wir insgesamt historisch gesichert über ihn, sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung sagen können.

Am Ende des Vortrags meldete sich ein Professor. Seine Frage: „Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie davon ausgehen, dass Jesus eine wirkliche, geschichtliche Person war?“ Meine Antwort: „Ja klar, darüber habe ich doch gerade eine Stunde gesprochen!“ Dann fragte ich ihn: „Wie kommen Sie darauf? Was ist der Hintergrund Ihrer Frage?“ Da sagte er, dass sie damals in der Schule in der Sowjetunion gelernt hätten, dass Jesus nur eine Märchengestalt sei, so ähnlich wie Frau Holle oder Väterchen Frost.

Was ist dran?

Solche und ähnliche Gespräche haben mich im Lauf der Jahre dazu angetrieben, so genau wie möglich herauszufinden, wie das mit Jesus wirklich war. Stehen wir als Christen auf sicherem historischen Boden mit unserem Glauben? Oder folgen wir erfundenen Geschichten und bloßen Vermutungen? Ist die Sache mit Jesus eine geschichtliche Tatsache, oder ist das ganze Christentum nur das Ergebnis von Wunschdenken und insgesamt nichts mehr als eine fromme Illusion?

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Nur der halbe Mond! – Von den Grenzen der Erkenntnisfähigkeit

Nur der halbe Mond! – Von den Grenzen der Erkenntnisfähigkeit

„Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen, und ist doch rund und schön. So sind gar manchen Sachen, die wir getrost belachen, weil uns’re Augen sie nicht seh’n.“ (Matthias Claudius)

Das, was der „Wandsbeker Bote“ auf seine herrlich klug-naive Weise formuliert hat, bleibt auch heute, gut 200 Jahre nach seinem Tod, eine notwendige und hochaktuelle Seitennotiz auf die Wissenschaftsgläubigkeit, die offenbar weite Teile unserer Gesellschaft erfasst hat.

Naive Wissenschaftsgläubigkeit?

„Die Wissenschaft hat festgestellt…“ In wie vielen Diskussionen habe ich diesen Satz in den unterschiedlichsten Variationen schon gehört! Eine beliebte Version ist auch: „Wie wir heute aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse wissen…“ Und meist hält der Gesprächspartner damit dann das Gespräch für beendet bzw. seinen Punkt für bewiesen. Dabei  fängt aus meiner Sicht da die Diskussion erst richtig an. Denn dazu hätte ich eine Reihe von Fragen, z.B.: „Woher weißt du das? Kannst du das belegen? Wie ist gerade der genaue Stand der wissenschaftlichen Diskussion an dieser Stelle?“ usw. usw. Meistens kneift der Gesprächspartner aber an dieser Stelle, denn so genau weiß er das, was er gerade noch mit großer Vehemenz behauptet hat, dann doch nicht.

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Christentum in Nubien

Christentum in Nubien

Ich freue mich, dass meine kirchengeschichtliche Arbeit über Nubien jetzt langsam wahrgenommen wird. Im Sudan lebte über 1000 Jahre eine einheimische Kirche, die heute fast vollständig vergessen ist.

Diese Rezension meiner kirchengeschichtlichen Dissertation über das (immer noch) selbst in Fachkreisen ziemlich unbekannte Christentum in Nubien auf der Internetseite „Christian Orient“ kann gegen dieses Vergessen helfen.
Zitat aus der Rezension:
„Es ist die erste Darstellung im deutschsprachigen Raum, die versucht, alle Ergebnisse der Forschungen zum nubischen Christentum zusammenzufassen und so ein Gesamtbild dieser recht unbekannten Kirche zu erstellen. Der Autor gründet seine Darstellung auf archäologische Ergebnisse auf textliche Untersuchungen sowie auf bildlichen Darstellungen. Dabei ist der Autor bemüht, alle bisher bekannten Ergebnisse zusammenzufassen. Dem Autor ist es so gelungen, einen umfassenden und zugleich detaillierten Einblick in die Geschichte und in das Leben der nubischen Kirche zu geben. Das hier noch viele Lücken bestehen ist kein Mangel der Untersuchung, sondern zeigt, dass noch weite Gebiete der nubischen Kirchengeschichte erforscht werden müssen. Das Werk ist nicht nur als Einführung in das nubische Christentum geeignet, sondern kann auch als Nachschlagewerk hierzu genutzt werden.“