Jesus Christus Superstar – Was macht ihn so einzigartig?

Jesus Christus Superstar – Was macht ihn so einzigartig?

Jesus Christ, Superstar: So lautet der Titel des bekannten Musicals, das seit den siebziger Jahren immer wieder auf den Schauspielbühnen aufgeführt wird. Es ist in der Tat so: Wenn es um den Bekanntheitsgrad geht, ist Jesus ganz oben auf der Liste. Über keinen anderen Menschen, der je gelebt hat, sind so viele Bücher geschrieben, so viele Lieder und Gedichte verfasst worden wie über Jesus. Die größten Maler und Bildhauer haben die Themen seines Lebens in Bilder und Skulpturen umgesetzt. Die Evangelien, die kurz und prägnant sein Leben und Sterben beschreiben, sind die meist übersetzten und am weitesten verbreiteten Bücher der Weltgeschichte. Das Kreuz, Zeichen seines Sterbens und seiner Erlösung, ist weltweit zum Symbol für Hilfe und Zuwendung geworden. Wenn einer den Titel „Superstar“ verdient, so ist es sicher keiner der vielen Stars und Sternchen, die am Kulturhimmel auf- und häufig ebenso schnell wieder untergehen, sondern es ist Jesus, der Mann aus dem Bergdorf Nazareth in Galiläa, der den Beinamen „Christus“ trägt und nach dessen angenommenen Geburtsdatum die Zeitrechnung der westlichen – und inzwischen der ganzen – Welt sich organisiert. Jesus Christus – was macht ihn so einzigartig?

 

Jesus Christus – überall?

Heute morgen: Ich sitze am Frühstückstisch bei Freunden in Berlin, wo ich übernachtet habe. Der kleine Ari möchte gern vor dem Essen beten. Mit klaren Worten sagt der Dreijährige: „Lieber Jesus, danke für alles!“

Ich wandere mit Freunden in einer abgelegenen Gegend in Ostgeorgien, nicht weit von der Grenze nach Aserbeidschan. Wir kommen zu einer Bergkette, von der aus man weit über die Steppe sehen kann. Hier oben befinden sich die Überreste von kleinen Kirchen und Gebetszellen, in denen georgische Mönche über Jahrhunderte gebetet haben. Auf den wunderschönen Wandmalereien erscheint er immer wieder: Jesus Christus.

In einer Wuppertaler Kirche versammeln sich im Jahr 1934 Theologen und Nichttheologen, Pfarrer und so genannte Laien, und besprechen miteinander, wie sie als Christen auf die weltanschauliche Herausforderung des Nationalsozialismus und seiner christlich-religiös verbrämten Variante, dem „Deutschen Christentum“ begegnen sollen. Sie fassen ihre Beratungen zusammen in einem Text, der beim Wiederaufbau der Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg eine wesentliche Rolle spielen sollte und in die Grundordnungen vieler evangelischer Kirchen einging. Er beginnt mit den Worten: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das EINE Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“

Noch eine Szene: Ein Dorf in der Osttürkei am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Die dort seit Menschengedenken ansässigen Armenier sind von Soldaten zusammengetrieben worden. Sie stehen vor der Alternative: Ihren christlichen Glauben zu verleugnen, zum Islam überzutreten oder zu sterben. Ohne Ausnahme bleiben sie bei ihrem Glauben an Jesus Christus und werden alle miteinander erschossen.

 

Faszination Jesus

Eins haben alle diese Beispiele gemeinsam, nämlich dies: Jesus Christus ist der Faktor, der die ganze Situation verändert. Ari betet zu Jesus. Die Mönche verehren mit ihren Gebeten und Gemälden Jesus. Die Kämpfer der bekennenden Kirche wehren die nationalsozialistische Ideologie ab mit der Rückbesinnung auf Jesus. Die Armenier sind bereit, für ihren Glauben ihr Leben einzusetzen, für ihren Glauben an Jesus.

Unzählige weitere Beispiele könnten zeigen: Die Wirkung von Jesus auf einzelne und auf ganze Völker, auf Kleine und Große, auf Ungebildete und Hochgebildete ist unvergleichlich. Wie ist das zu erklären? Wenn man dieser Frage nachgeht, kommt man zu bemerkenswerten Ergebnissen.

 

Der Mann der Schmerzen

Kürzlich war ich mehrere Wochen lang in einem primär islamischen Land. In dieser Zeit schlugen die Wellen hoch wegen der Muhammad-Karikaturen, die in verschiedenen europäischen Zeitungen erschienen waren. Vielerorts wurden Demonstrationen organisiert, häufig, wie in unserem Land, direkt von der Regierung befohlen, um die Empörung gegen diese Verunglimpfung des Propheten des Islam auszudrücken. Wir erlebten eine mildere Form der Auseinandersetzung: Eine junge, verschleierte Studentin kam an unseren Tisch in einem Café und überreichte uns einen Zettel, auf dem die Frage gestellt wurde: „Wie würden Sie sich fühlen, wenn z.B. Karikaturen über den Papst veröffentlicht würden?“ Und dann folgte eine lange Begründung dafür, dass ein Prophet Gottes nicht der Gegenstand von Spott sein sollte und dass es nur verständlich sei, wenn Muslime mit Gewalt auf eine Verunglimpfung Muhammads reagieren.

Das erscheint logisch, denn ein Mann Gottes sollte geehrt, geachtet und geschätzt werden. Nur so wird sichergestellt, dass seine Bedeutung angemessen gewürdigt wird. Wenn wir jedoch die Evangelien lesen, wird uns ein anderes Bild vor Augen geführt. Jesus ist der, der missverstanden, abgelehnt, ausgestoßen und schließlich zu Unrecht verurteilt wird. Am Ende seines Lebens hängt er nackt und blutend an einem Kreuz, dem Hinrichtungsgerät, das für Hochverräter, Kapitalverbrecher und Sklaven vorbehalten war, ausgepeitscht, bespuckt, verachtet, von seinen Freunden verlassen und gekrönt mit einer Spottkrone, aus Dornenzweigen notdürftig zusammen geflochten.

Das ist der Jesus, den Millionen und Abermillionen verehren. Das ist der „Superstar“ der Christenheit. Wie kann das sein?

 

Das göttliche Paradox

In der Bibel wird der Widerspruch zwischen dem elenden Sterben von Jesus und unseren Bildern von Gottes Macht, zwischen unseren Erwartungen, wie Gott eingreifen müsste und seinem scheinbaren Schweigen angesichts des ungerechten Leidens seines Gesandten nicht durch menschliche Maßnahmen oder Mittel aufgelöst. Während der Prophet des Islam sich selbst zu seinem Recht verhalf, in dem er in über dreißig Kriege verwickelt war, von denen er die meisten selbst vom Zaun brach, schlug Jesus nicht zurück, als er geschlagen wurde. Er setzte seine Macht, die Naturgewalten zu bewegen und die Engelheere Gottes zu rufen, nicht ein, als es um sein eigenes Leben ging. Vielmehr ging er bewusst den Weg ins Leiden, in der Erfüllung der Voraussagen, die Jahrhunderte zuvor durch den Propheten Jesaja gemacht wurden: „Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet … Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.“ (Auszüge aus Jesaja, Kapitel 53)

Das göttliche Paradox besteht darin, dass an dieser Stelle der größten Schande und des größten Leidens die Offenbarung des Herzens Gottes geschieht

Es ist seine Liebe, die Jesus an den tiefsten Ort treibt. Am Kreuz identifiziert er sich mit der geschundenen Kreatur und nimmt deren Leiden auf sich.

Gerade das macht seine Faszination aus, die nicht auf oberflächlicher Begeisterung fußt, sondern auf dem tiefen Wissen: Jesus ist ganz und gar einer von uns. Und gleichzeitig: Jesus ist völlig anders.

Jesus gehört ganz zu uns – und gleichzeitig: Jesus gehört ganz auf die Seite Gottes.

 

Gottes Antwort – die Auferweckung von Jesus

Das Paradox, dass der Mann der Schmerzen zugleich der Messias der ganzen Schöpfung ist, wird nicht durch den Jubel seiner Anhänger, durch die Kreuzzüge seiner Nachfolger oder den starken Glauben seiner Verehrer aufgelöst, sondern durch ein unvorhersagbares, souveränes Handeln Gottes. Am Tag Drei nach der Kreuzigung erweckt er durch einen Schöpfungsakt den toten Jesus wieder auf und bestätigt somit, dass dieser in Wahrheit der Retter der Welt ist.

Sein Sterben am Kreuz ist nicht das Ende, sondern wird aufgehoben im Sieg der Auferweckung von den Toten.

Hier liegt der Grund dafür, dass die Faszination, die von Jesus ausgeht, niemals enden wird, dass er sich immer wieder, auch in scheinbarer Schwachheit, durchsetzen wird, dass seine Gemeinde, auch wenn sie noch so verfolgt wird, niemals untergehen wird und am Ende jeder Mensch wird bekennen müssen, dass Jesus Christus wirklich der „Herr“ ist, der von Gott eingesetzte Weltenrichter. Nicht nur ein „Superstar“, angehimmelt von begeisterten Fans, sondern die Zentralgestalt der Weltenrichter, sondern Alpha und Omega, der Anfang und das Ende aller Dinge.

Wenn wir uns mit ihm zusammenschließen, wird auch unser Leben mit hinein genommen in seinen unaufhaltsamen Sieg, der allerdings immer wieder auch durch das Leiden führt. Denn schließlich ist und bleibt Jesus zugleich der Gekreuzigte und der Auferstandene, bis ihm am Ende aller Tage alle Dinge untertan sein werden und er die wiedergewonnene Schöpfung dem Vater zurückgeben wird. (siehe 1. Korinther 5, 20-9)

Nicht seine machtvollen Heilungen, seine erstaunlichen Wunder, seine Lehre oder sein beispielhaftes Leben machen Jesus einzigartig, sondern einfach diese Tatsache: Dass er der einzige ist, der sein Leben für die Erlösung der Welt gab und dass er am Ende das letzte Wort haben wird.

© 2006

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