Browsed by
Jahr: 2016

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jahreslosung 2016)

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jahreslosung 2016)

Hier meine Predigt im Sonntaggottesdienst des Christus-Treff Marburg am 3. Januar 2016: Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jahreslosung 2016)

Bibelext: Jesaja 66,13 | Aus der Reihe: 

Streit unter Christen? Ein Aufruf zu Fairness und Besonnenheit

Streit unter Christen? Ein Aufruf zu Fairness und Besonnenheit

Streit unter Christen? Ein Aufruf zu Fairness und Besonnenheit

Vor 2 Wochen habe ich ein Editorial für idea-Spektrum zu diesem Thema geschrieben. Diesen Text möcht ich hier noch einmal leicht erweitert, wiedergeben. Ich versuche hier nicht, auf alle Sachfragen des gegenwärtigen Streits einzugehen, sondern grundsätzlich etwas über unsere Streitkultur zu sagen.

Voranschicken möchte ich zwei Zitate, eins von aus dem Brief von Paulus an die Philipper und eins von Rosa Luxemburg.

Paulus ermahnt seine Mitchristen:

Was gibt es sonst noch zu sagen, liebe Geschwister?
Alles, was wahrhaftig ist und Respekt gebietet,
alles, was wirklich gerecht ist und ohne falsche Motive,
alles, was es sich lohnt zu lieben und zu loben,
sei es eine gute Eigenschaft
oder vorbildliches Verhalten –
beschäftigt euch mit solchen Dingen!
Dies alles habt ihr ja von mir gelernt und als verbindlich übernommen.
Ihr habt es von mir gehört und in meinem Verhalten gesehen. So setzt es
in die Tat um! Dann wird Gott, dessen Wesen Friede ist, mit euch sein!

(Brief an die Philipper 4, 7-9)

Rosa Luxemburg schreibt:

Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“

Wenn Christen streiten

(Editorial Idea-Spektrum 30.12.2015)

Was soll man bloß macen, wenn Streit in der christlichen Gemeinde ausbricht? Ist das eine Katastrophe – oder vielleicht auch eine Chance? Ein Freund erzählte von einer Gemeinde in Amerika. Sie hatten 800 Mitglieder, und einiges an Geld gespart. Man beschloss, den Kirchsaal zu renovieren. Ein großes Wandgemälde sollte her, die Erschaffung von Adam und Eva. Doch dann brach ein Streit aus: Sollte Adam mit oder ohne Bauchnabel gemalt werden? Die Einen argumentierten: „Natürlich ohne! Denn er wurde ist ja nicht abgenabelt, sondern direkt von Gott erschaffen!“ Die anderen hielten dagegen: „Adam ist der Vater aller Menschen, und uns deshalb gleich. Also hatte er auch einen Bauchnabel!“ Der Streit eskalierte, und schließlich spaltete sich die Gemeinde. Es entstanden zwei, jeweils mit…, ja, 200 Mitgliedern. Was war mit den anderen? Irgendwo waren sie im Verlauf des Streits auf der Strecke geblieben.

Das ist die Gefahr, wenn Christen streiten, zumal, wenn das öffentlich geschieht. Das eine Wort führt zum andern, der eine Vorwurf zum nächsten, und bald gerät das Ganze außer Kontrolle. Mancher Streit erinnert an die Szene in Ephesus: „Die einen schrien dies, die andern das, die Versammlung war in Verwirrung, und die meisten wussten nicht, warum sie zusammengekommen waren.“ (Apg 19, 32) Öffentlicher Streit kann zu öffentlicher Empörung und Entzweiung führen, und endet meist erst dann, wenn alle ermüdet zusammensinken. Ob damit wirklich etwas gewonnen ist?

Heißt das, dass Christen nicht streiten dürften? Nein, schon im Neuen Testament wird uns von Auseinandersetzungen unter den Jesusjüngern berichtet. Paulus und Barnabas „kamen hart aneinander und trennten sich“ (Apg 15, 37), Paulus konfrontierte Petrus öffentlich (Gal 2, 14). Doch, Streit darf sein, und muss sein, wenn es um den Inhalt des Evangeliums geht. Wie gesagt, nicht um persönliche Eitelkeiten oder Verletzungen. Da soll man lieber den „unteren Weg“ gehen. Doch streiten, und zur Not auch öffentlich, darf und muss sein, wenn es um das Evangelium selbst geht, um die Ehre Gottes, um den „den Glauben, der ein für alle Mal den Heiligen überliefert ist.“ (Judas 3)

Doch wie sollen und dürfen Christen streiten? Auf jeden Fall fair und mit Respekt. Mit Augenmaß und Höflichkeit. Mit Sachargumenten und nicht mit Unterstellungen, Beleidigungen, Abwertungen oder verzerrten Darstellungen der Gegenseite. Und vor allem im geschwisterlichen Geist, in dem Wissen: Das, was uns vereint, ist mehr, als das, was uns trennt. Streit muss sein, wenn es um das Evangelium geht, um das Wort Gottes und um die Konsequenzen, auch die ethischen, die wir als Nachfolger von Jesus ziehen müssen. Aber bitte mit Augenmaß! Und mit dem Gebet für unsere „Gegner“ und der Bitte um den Geist, der uns „in alle Wahrheit leitet.“

Nachtrag: 9.1.2016)

Die Fairness im Streit scheint vielen Zeitgenossen, besonders in den sozialen Medien, schwer zu fallen.

Wir sollten immer unterscheiden zwischen Sache und Person. In einer Sache können und sollen wir uns, wenn nötig auch deutlich und klar, auseinandersetzen und streiten.

Aber die Würde der Person, auch des Andersdenkenden, muss immer gewahrt bleiben.

Das bedeutet unter anderem, dass ich ihm/ihr nicht falsche, böse, unwahre Motive unterstelle

Das bedeutet auch, dass ich nicht alles ungeprüft glaube, was mir berichtet wird. Wir sollten zumindest die alte Regel beachten: „audeatur et altera pars“ – „Auch die andere Seite muss gehört werden!“

Das bedeutet für uns als Christen vor allem, dass wir mindestens so viel für unseren „Gegner“ beten, wie wir über ihn sprechen oder schreiben.

Das bedeutet, dass wir das Gebot, „kein falsches Zeugnis zu reden“ sehr ernst nehmen. Der Leumund eines Menschen ist schnell beschädigt oder zerstört. Wenn es uns selbst trifft, merken wir erst einmal, wie giftig solche „Pfeile“ sein können: Vermutungen, Verdächtigungen, Halbwahrheiten, Gerüchte und vieles mehr.

Im YOUBE (Evangelischer Jugendkatechismus, fontis-Verlag 2015) haben wir das so formuliert:

„Das achte Gebot:

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

  1. Mose 20,16

Und selbst die großen Schiffe, die nur von starken Winden vorangetrieben werden können, lenkt der Steuermann mit einem kleinen Ruder, wohin er will. Genauso ist es mit unserer Zunge. So klein sie auch ist, so groß ist ihre Wirkung! Ein kleiner Funke setzt einen ganzen Wald in Brand.

Jakobus 3,4-5

Was bedeutet das für uns?

Das achte Gebot schützt das Leben des Menschen nach außen: seine „öffentliche Seite”, sein Ansehen und seinen Ruf. Martin Luther schreibt dazu: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren.“

Häufig meinen wir, selbst besser da zu stehen, wenn wir andere Menschen abwerten. Es fällt uns leichter, über andere herzuziehen, als Gutes von ihnen zu reden. Das hat manchmal weitreichende Folgen. Gerade durch soziale Netzwerke wie Facebook kann das Ansehen eines Menschen in einem einzigen Augenblick beschädigt oder sogar zerstört werden. Negatives Reden oder das Weitererzählen von Fehlern und Schwächen wird blitzschnell zum Rufmord. Davor warnt uns Gott im achten Gebot.“

Also: Streiten – wenn es sein muss, ja!

Aber immer in Fairness und Besonnenheit.

Und so, dass wir wissen, dass wir für jedes Wort, das wir reden, Rechenschaft ablegen müssen vor Gott. (Vgl. Matthäus 12, 36)

Die Wahrheit muss immer in Liebe gesagt werden (Epheser 4, 15.25; 1. Korinther 13), nicht in Arroganz Häme, Verachtung, Besserwisserei oder Rechthaberei.

Und: Die Liebe bedeckt die Menge der Sünden. (Sprüche 10, 12; 1. Petrus 4, 8)

Roland Werner, 10. Januar 2016