Alles Märchen oder was? – Außerbiblische Hinweise auf Jesus

Alles Märchen oder was? – Außerbiblische Hinweise auf Jesus

Ich war in Moskau und hielt einen Vortrag an der Universität. Thema: Die Sache mit Jesus. Stimmt sie? Wer war Jesus? Was können wir verbindlich über ihn wissen? Dabei stellte ich dar, wie zuverlässig die Bibel ist, welche außerbiblischen Quellen auch noch über Jesus berichten, und was wir insgesamt historisch gesichert über ihn, sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung sagen können.

Am Ende des Vortrags meldete sich ein Professor. Seine Frage: „Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie davon ausgehen, dass Jesus eine wirkliche, geschichtliche Person war?“ Meine Antwort: „Ja klar, darüber habe ich doch gerade eine Stunde gesprochen!“ Dann fragte ich ihn: „Wie kommen Sie darauf? Was ist der Hintergrund Ihrer Frage?“ Da sagte er, dass sie damals in der Schule in der Sowjetunion gelernt hätten, dass Jesus nur eine Märchengestalt sei, so ähnlich wie Frau Holle oder Väterchen Frost.

Was ist dran?

Solche und ähnliche Gespräche haben mich im Lauf der Jahre dazu angetrieben, so genau wie möglich herauszufinden, wie das mit Jesus wirklich war. Stehen wir als Christen auf sicherem historischen Boden mit unserem Glauben? Oder folgen wir erfundenen Geschichten und bloßen Vermutungen? Ist die Sache mit Jesus eine geschichtliche Tatsache, oder ist das ganze Christentum nur das Ergebnis von Wunschdenken und insgesamt nichts mehr als eine fromme Illusion?Ein Blick in die Antike

Natürlich sind die Evangelien und das ganze Neue Testament unsere Hauptquelle über das, was Jesus und die frühen Christen gesagt, gedacht und getan haben. Natürlich haben wir mit dem Neuen Testament das am besten überlieferte Buch der ganzen Antike in der Hand. Dennoch haben viele Menschen ein schier unerklärliches Misstrauen gegen dieses Dokument. So ist es vielleicht gut, einen Augenblick darauf zu verwenden, zu schauen, ob es auch außerhalb der Bibel Belege für die Existenz von Jesus und die der ersten Christen gibt. Dabei ist auch von Bedeutung, ob sie den biblischen Berichten widersprechen oder sie möglicherweise unterstützen und unterstreichen.

Wer sich etwas damit beschäftigt, wird schnell folgendes feststellen:

  1. Es gibt außerbiblische Belege.
  2. Sie sind meistens kurz und eher Randnotizen in einem anderen Zusammenhang.
  3. Sie bestätigen das, was uns im Neuen Testament berichtet wird.

Unwichtig?

Dieser Befund kann uns nicht verwundern. Höchstens der erste Punkt, die Tatsache, dass es außerbiblische Belege überhaupt gibt. Und zwar aus mehreren Gründen. Erstens ist sehr viel, ja der weit überwiegende Teil des schriftlichen Materials der Antike verloren gegangen, untergegangen in den Stürmen der Völkerwanderung, verbrannt in den antiken Bibliotheken oder einfach vom Zahn der Zeit aufgefressen. Zweitens haben zumindest die Historiker der damaligen Zeit fast ausschließlich über die Herrschenden geschrieben, die Kaiser, ihre Taten, Feldzüge und Eroberungen. Das, was am Rande des Reiches und außerhalb der römischen Machtstrukturen geschah, war für sie nicht  von Belang. Dass sich bei den antiken Autoren überhaupt Erwähnungen finden von Jesus, von Johannes dem Täufer, von Jakobus, dem Bruder von Jesus und von anderen Personen, von denen auch im Neuen Testament berichtet wird, ist an sich schon sehr erstaunlich.

Frühe Christen in Rom

So schreiben der römische Historiker Tacitus, der Schriftsteller Sueton, der Gouverneur Plinius der Jüngere und nicht zuletzt der bedeutende jüdische Autor Josephus Flavius über Ereignisse, die sich auch im Neuen Testament finden.

Sueton berichtet über den Brand von Rom im Jahre 64. Als das Gerücht entstand, dass Nero selbst das Feuer gelegt habe, suchte er einen Sündenbock, um den Verdacht von sich abzulenken. Deshalb ließ er die unbeliebte Gruppe der Christen beschuldigen. Viele von ihnen wurden gefangengenommen und wilden Tieren vorgeworfen oder als lebende Fackeln bei einem seiner Gartenfeste verbrannt. Sueton schreibt im „Leben Neros“: „Mit Todesstrafen wurde gegen Christen vorgegangen, eine Sekte, die sich einem neuen, gemeingefährlichen Aberglauben ergeben hatte.[1]

Auch schon vorher erwähnt er die Christen. In seiner Lebensbeschreibung von Kaiser Claudius heißt es: „Die Juden vertrieb er aus Rom, weil sie, von einem gewissen Chrestos aufgestachelt, fortwährend Unruhe stifteten.[2] Dies geschah im Jahre 49 n.Chr. Sueton hatte seine Information wahrscheinlich einem Polizeibericht entnommen, den er jedoch missverstand. Er nahm wohl an, dass dieser Chrestos im Jahre 49 n.Chr. in Rom anwesend war. In Wirklichkeit handelte es sich aber um Auseinandersetzungen innerhalb der Judenschaft über die Frage, ob Jesus der Christus sei. Die Schreibung Chrestos für Christos ist aus dem sogenannten Itazismus im Griechischen zu erklären, also der Tendenz, manche Vokale und Doppelvokale nur noch als langes i zu sprechen. Diese Verwechslung von „Chrestos“ und „Christos“ ist also verständlich, da Christus ja ein griechisches Wort ist, das Sueton nur gehört hatte und dann auf lateinisch wiedergeben wollte.

Auseinandersetzungen um Christus

Aus dieser Notiz des Sueton wird deutlich, dass schon in den vierziger Jahren, also weniger als zwanzig Jahre nach Kreuzigung und Auferstehung Jesu, innerhalb der jüdischen Bevölkerung Roms Christen waren. Und dass die Auseinandersetzungen um Christus zur Ausweisung aller Juden aus der Kaiserstadt führten. Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Rom gab es offensichtlich heftige Diskussionen darüber, ob Jesus der Christus ist oder nicht. Genau diese Frage trennt noch heute Juden und Christen!

Sueton und die Apostelgeschichte des Lukas

Es ist bemerkenswert, dass dieselbe Vertreibung der Juden aus Rom auch in der Apostelgeschichte berichtet wird. Der Verfasser Lukas schreibt: „Danach verließ Paulus Athen und kam nach Korinth und fand einen Juden mit Namen Aquila, aus Pontus gebürtig. Der war mit seiner Frau Priscilla kürzlich aus Italien gekommen, weil Kaiser Claudius allen Juden geboten hatte, Rom zu verlassen.[3] Das Ehepaar Aquila und Priscilla waren schon Christen, als sie aus Rom kamen. Hier sehen wir, wie die Berichte des römischen Historikers Sueton und des neutestamentlichen Historikers Lukas sich gegenseitig bestätigen. Wobei zu beachten ist, dass Lukas 50-60 Jahre vor Sueton geschrieben hat, also viel näher am eigentlichen Geschehen war!
Aufgrund dieser Episode wird deutlich: Die Faszination von Jesus war schon wenige Jahre nach seinem Tod in der Hauptstadt des römischen Reiches zu spüren.

Tacitus meldet sich zu Wort

Der Platz erlaubt nicht, alle antiken Texte, die von Jesus sprechen, zu zitieren. Doch einer darf nicht fehlen, der Bericht von Tacitus. In seinen „Römischen Annalen“ berichtet er vom Brand Roms und Neros Versuch, die Schuld auf die Christen abzuwälzen. Sie sind „eine Sorte Menschen, verabscheut wegen ihrer Laster… Dieser Name stammt von Christus, der unter Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Dieser verderbliche Aberglaube war für den Augenblick unterdrückt worden, trat aber später wieder hervor und verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo er aufgekommen war, sondern auch in Rom, wo alle Greuel und Abscheulichkeiten der ganzen Welt zusammenströmen und geübt werden.[4] Diesen Bericht aus den Jahren zwischen 115 und 117 n.Chr. hat Tacitus wahrscheinlich aufgrund der Dokumente in den staatlichen Archiven in Rom verfasst. Tacitus hatte Zugang zu diesen Archiven, und wenn der Bericht des Pilatus noch vorlag, was sehr wahrscheinlich ist, so wird er ihn eingesehen haben.

Unter Pilatus – gekreuzigt, gestorben und begraben…

Was er schreibt, ist bemerkenswert. Nicht nur gibt er eine genaue Angabe über die Hinrichtung von Jesus, die unter Pontius Pilatus in Judäa stattgefunden hat, sondern er gibt auch einen Hinweis darauf, dass nach dem Tod Jesu nicht alles vorbei war. Der „verderbliche Aberglaube“ ließ sich nur für einen Augenblick unterdrücken, dann aber verbreitete er sich mit großer Kraft und erreichte alle Teile der römischen Welt. Niemand kann Tacitus unterstellen, den Christen gegenüber freundlich gesinnt zu sein. Und dennoch stimmt seine Notiz mit dem überein, was wir aus dem Neuen Testament wissen. So ist Tacitus ein weiterer, unabhängiger Zeuge für die Tatsächlichkeit des Lebens und Sterbens Jesu. Und der Auswirkungen, die Jesus bis auf seinen Tag hatte: Viele Menschen, auch Römer, wurden Christen, Jünger von diesem Jesus Christus.

Weitere Hinweise: Josephus Flavius der Talmud, die Archäologie und mehr

Dieser kleine Überblick über römische Schriftsteller, ist nicht mehr als ein Ausschnitt aus all dem, was wir zitieren könnten aus der Antike. Neben diesen römischen Quellen enthalten auch  jüdische Quellen Hinweise und Aussage über Jesus, sein Wirken, seine Jünger und Zeitgenossen, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung. Darunter sind neben dem dem babylonischen Talmud besonders Josephus Flavius zu nennen. Zusammen mit den immer neuen  archäologischen Funden ermöglichen sie vielfältige Rückschlüsse auf Jesus. So werden die  Aussagen des Neuen Testaments über Jesus, über seinen Tod und über seine Wirkung über den Tod hinaus immer neu bestätigt.

Keine Fabeln, sondern Fakten

Im 2. Petrusbrief 1, 16ff wird die Geschichtlichkeit der Auferstehung von Jesus betont: „Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.“

Das zu betonen war den frühen Christen wichtig. Sie legten wert auf die Tatsächlichkeit und Geschichtlichkeit von Jesus.

Zusammen genommen zeigen die außerbiblischen Quellen: Das, was das Neue Testament berichtet, ist keine Erfindung, keine Fabel fernab von Fakten. Fest steht:

Jesus Christus hat wirklich gelebt.

Er hat wirklich gelehrt und Wunder getan.

Er ist während der Amtszeit von Pontius Pilatus (26-36 n.Chr.) am Kreuz gestorben.

Und er ist wieder von den Toten auferstanden.[5] Durch dieses einzigartige Schöpfungswunder an der Schnittstelle von Zeit und Ewigkeit hat Gott ihn bestätigt als der, der er ist.

[1]   Sueton, Vita Neronis 16, 2

[2]   Sueton, Vita Claudii 25, 4

[3]   Apg. 18, 1-2

[4]   Tacitus, Annalen 15, 44

[5]   Wer sich weiter mit der Geschichtlichkeit von Jesus und des Neuen Testaments befassen möchte, kann meine Bücher „Provokation Kreuz – Warum musste Jesus sterben?“ (Hänssler Verlag 2005) und „Faszination Jesus – Was wir wirklich von Jesus wissen können“ (mit Guido Baltes, 3. Auflage Brunnen Verlag 2005) lesen. Dort gehe ich ausführlicher auf alle hier erwähnten Punkte und Fragestellungen ein.

2 Gedanken zu „Alles Märchen oder was? – Außerbiblische Hinweise auf Jesus

  1. Guten Tag,
    leider sind die angeführten und auch aus Platzgründen nicht angeführten außerbiblischen Beweise für die Existenz Jesu historisch umstritten. Sollte es historisch belegte geben, bitte ich diese konkret zu nennen, denn das wäre neu…

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