Einsatz bei Ebay – Ein Versuch, endlich biblisch zu leben

Einsatz bei Ebay – Ein Versuch, endlich biblisch zu leben

Einsatz  bei Ebay

Ein Versuch, endlich biblisch zu leben

(Achtung, dieser Text ist ein paar Jahre alt. Ich fand ihn in den Tiefen meiner PC-Archive und wollte ihn Euch nicht vorenthalten.)

Ich gehöre seit je zu der Sorte von Christen, die die Bibel so wörtlich wie nur eben möglich nehmen. Bis in die Details hinein versuche ich, ihre Ratschläge in die Tat umzusetzen. So leiste ich zum Beispiel der Anweisung: „Geh zur Ameise, du fauler, und lerne von ihr!“ mindestens einmal im Jahr folge, in dem ich mich in die afrikanische Wüste verkrieche und mich dort von kleinen und großen Ameisen beißen lasse. Das ist ein echtes Lernerlebnis!

Aber auch in Jerusalem lernte ich einmal von den Ameisen. Ich spielte mit den Kindern einer befreundeten Familie Frisbee vor den Stadtoren. Schließlich ließen wir uns erschöpft auf dem grünen Rasen unterhalb der imposanten Mauer nieder. Doch es währte nicht lange, bis sich ein großes Geschrei erhob! Denn plötzlich waren wir alle mit schwarezn Kampfameisen übersät, die uns furchtbar bissen. Dabei waren wir doch in den Auseinandersetzungen im Heiligen Land neutral geblieben! Doch das störte sie offensichtlich wenig, und wir ergriffen schleunigst die Flucht. Auch diesmal hatten wir wieder was von den Ameisen gelernt. Nämlich: Setze dich nicht auf ihren Bau!

So suche ich, wie diese Begebenheit unschwer erkennen lässt, stets nach Gelegenheiten, die Bibel Ein zu Eins umzusetzen. Sei es der Schlaftipp: „Wie sich die Tür in der Angel dreht, so dreht sich der Faule in seinem Bett.“, oder: auch: „Ruhet ein wenig!“ – ich finde es gut und hilfreich, dies nicht nur zu lesen, sondern auch zu leben.

Auch um ein kinderfreundliches Gemeindeleben bemühe ich mich, und zwar ohne vorher an einem Selbstverteidigungskurs teilzunehmen, ganz nach dem Wort „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht!“ Dabei muss ich bekennen, dass mir nicht nur im Blick auf die Kids manchmal der alttestamentliche Seufzer entfährt: „Habe ich nicht schon genug Wahnsinnige bei mir, dass ihr mir diesen auch noch bringet?“

Biblisch leben, ein großes Ziel, das häufig fast unmöglich scheint. Doch ich versuche, ihm näher zu kommen. Und wo ich selbst an meine Grenzen stoße, werde ich glücklicherweise durch andere unterstützt. So erschien es mir lange Zeit fast unmöglich, dem biblischen Gebot: „Verkaufe alles, was du hast!“ Folge zu leisten. Denn ich bin überhaupt nicht wirtschaftlich veranlagt. Ich habe einfach nicht die Zeit, mich stundenlang auf den Flohmarkt zu stellen. Und außerdem verschenke ich lieber als zu verkaufen. Mir tun immer die Leute leid, die mir auch noch Geld geben sollen! So türmten sich über die Jahre bei uns in der Wohnung immer mehr Gegenstände, nützlich und nutzlose, darunter viele, die ich für unnütz halte, meine Frau aber für sehr nutzbringend. Zu meinem großen Leidwesen schien sich der Wunsch, diese Anweisung in die Tat umzusetzen, immer mehr zu einem Berg der Unmöglichkeit zusammenzuwachsen.

„Verkaufe alles, was du hast!“ Doch das Problem war: Dieses „Alles“ wurde immer mehr! Gibt es mehr als „Alles“? Also zum Beispiel „Alles zum Quadrat“? Wenn ich um mich herum schaue, scheint es fast so zu sein. Ich geriet in immer größere innere Nöte. Die Sachen einfach aus dem Fenster zu werfen oder in die Tonne zu hauen hielt ich auch nicht für biblisch. So wurde mein Leben immer unerträglicher. Ich war hin- und hergerissen zwischen Wollen und Nicht-Vollbringen-Können. Ich elender Mensch, eingemüllt von unzähligen Dingen, die ich doch lieber verkaufen sollte! Der englische Erweckungsprediger John Wesley, so las ich einmal, hatte am Ende seines Lebens nur wenige Pfund übrig, obwohl Millionenbeträge durch seine Hände gingen. Doch immer wieder gab er es an andere weiter. Und ich? Ich ersticke in schnödem Tand, völlig unbiblisch häufe ich Reichtümer an, die doch nur von Motten und Rost zerfressen werden! Ihr versteht sicher die ausweglose Lage, in der ich mich befand.

Doch: Ich kann euch zu meiner großen Freude berichten, dass sich dies alles seit Neustem entscheidend verändert hat. Und zwar durch die geistlich-praktische Begabung meiner Frau. Sie hat sich nämlich in die Geheimnisse der wunderbaren Kunst des „E-Bayens“ einführen lassen. Und nun kann sie, an meiner Statt – aber als Eheleute sind wir ja sowieso eins – alles verkaufen, was wir haben.

Halleluja! Ich freue mich gewaltig. Endlich weg mit dem Zeug, das nur unsere Seelen beschwert und unsere Schränke zum Einstürzen bringt! Endlich werden wir frei von der Last weltlicher Reichtümer! Ich bin begeistert und überglücklich. Wir können verkaufen! Unglaublich ist dabei, was die Leute alles ersteigern: Von Mickey-Mouse-Heften über Sanella-Einklebe-Bände bis hin zu angeknabberten Mainzelmännchen, von bunten Schnapsgläschen-Sets (sogar in die USA!) über Messerbänkchen bis hin zu hochscheusslichen chinesischen Vasen! Einsatz bei Ebay als Ausdruck konsequenter Bibeltreue bei meiner Frau. Das finde ich hinreissend. Und während ich das schreibe, fällt mir ein, wie die biblische Aufforderung weitergeht: „Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und dann komm und folge mir nach!“

Jetzt mal Hand aufs Herz: Ich bin doch nicht der einzige, der unnützes Zeug ansammelt. Und Armut gibt es genug in dieser Welt. Was wäre, wenn wir Christen auch nur ansatzweise anfangen würden, weniger zu kaufen, weniger zu sammeln, mehr abzugeben, unseren Reichtum abzuverkaufen und dann wirklich den Armen zu geben? Oder den christlichen Werken, die den Armen dienen und die gute Nachricht von Jesus weitergeben? Manche von ihnen nagen echt am Hungertuch, während wir im Konsumrausch abheben.

Einsatz bei Ebay – das ist sicherlich noch nicht alles, was man über ganzheitliche Nachfolge von Jesus sagen sollte. Aber es könnte doch ein Anfang sein, oder nicht?

Herzlich Euer

Roland

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