Glück, Gerechtigkeit und Gottes Nähe

Glück, Gerechtigkeit und Gottes Nähe

Was die Bibel über das Glück zu sagen hat

„Gott nahe zu sein ist mein Glück.“ So übersetzt die Jahreslosung 2014 den Psalm 73, 28. Und platziert damit das Thema Glück mitten in das neue Jahr.

Suche nach Glück als Lebensziel?

Was bedeutet eigentlich im biblischen Verständnis dieses Wort: Glück? Eins ist jedem Bibelleser von vornherein klar: Nirgendwo in dem heiligen Buch findet sich eine „Anleitung zum Glücklichsein“ in drei, sieben, zehn oder zwölf Schritten. Ja, die Bibel ist kein psychologischer Ratgeber und auch kein Crash-Kurs in Selbstverwirklichung. Und: Die Suche nach Glück als wesentlicher Inhalt und Hauptziel des Lebens ist ihr fern. Die amerikanische Verfassung, die zu den „unaufgebbaren Rechten“ ihrer Bürger den „pursuit of happiness“ – „das Streben nach Glück“ zählt, schöpft zumindest an dieser Stelle ihre Ideen nicht direkt aus der Bibel.

Ein erstaunlicher Nebeneffekt

Und doch spricht die Bibel an vielen Stellen vom Glück, vom Glücklich-Sein und vom Glücklich-Werden. Jedoch, und das ist das Erstaunliche, ist das Glück immer ein Nebenprodukt, eine Frucht, die eher zufällig wächst, ist eine Pflanze am Wegrand.
„Setzt euch zuerst für Gottes Herrschaft ein und für seine Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere obendrein dazu geschenkt.“ So sagt es Jesus in der Bergpredigt (Mt 6, 33). Ein gelingendes Leben, das Glück, und vielleicht auch das Glücklichsein, ist dann Zugabe, Geschenk, gnädiges Beiwerk.
Wenn das stimmt, dann stellt sich die Frage, was die Voraussetzung für diese Zugabe ist. Wenn Glück in der Bibel ein Nebenprodukt ist, was ist dann das Hauptprodukt?
Bei der biblischen Spurensuche in Sachen Glück machen wir in der Tat erstaunliche Funde.
Sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament wird das Glück thematisiert. Doch in beiden Fällen auf ganz überraschende Weise.

Glückwunsch dem, der nicht mitläuft in der Menge der Gottesfeinde
und sich nicht hinstellt auf dem Weg der Schuldbehafteten,
ja, Glückwunsch allen, die nicht mit den Großmäulern zusammen sitzen!
Ja, glücklich zu preisen ist, wer die Lehre Adonais mit Freude aufnimmt und sie Tag und Nacht in seinem Herzen bewegt!
Solche Menschen sind wie Bäume, die an den Wasserläufen eingewurzelt sind.
Wenn die Zeit reif ist, bringen sie ihre Frucht
und ihre Blätter verwelken niemals.
Ja, alles, was sie anpacken, gelingt.
(Psalm 1, 1-3. Übersetzung „dasbuch.“ – Vorversion)

Das hebräische Wort, das hier am Anfang des ersten Psalms erscheint, ist ashrej. In den verschiedenen Bibelübersetzungen wird es als „selig“, „glückselig“, „glücklich zu nennen“ oder ähnlich wiedergegeben. Doch all diese Übersetzungen können den Nebenklang nicht einfangen, der im Hebräischen zu vernehmen ist. Es ist das Wortfeld „aufrecht, aufrichtig, recht, gerecht, richtig“. Der ist glücklich zu preisen, der gerecht und aufrecht lebt, der das Richtige tut und das Recht sucht.

Glück und Gerechtigkeit

Das zeigt auch die Beschreibung dieses Menschen in den folgenden Versen. Es ist ein Mensch, der sich nach Gottes Weisung, nach seiner guten Lebensordnung richtet. Der Gegensatz zu diesem „glücklichen“ Menschen ist nicht der „arme Schlucker“, dem nichts gelingt, sondern der Gottesfeind, der Gewalttätige, der über Leichen geht.
Glücklich ist derjenige zu nennen, der Gottes Willen, seine gute Rechtsordnung ernst nimmt, der sich nach Gerechtigkeit ausstreckt und für das Recht des Armen einsetzt.
Ganz in dieser Linie liegt das, was Jesus über das Glück zu sagen hat. Er beginnt ja seine Jünger-Unterweisung, die Bergpredigt, mit einem Entwurf des Glücks. Auch hier ist Glück kein Wert an sich, und meint auch nicht das, was wir heutzutage oft als „Lebensqualität“ bezeichnen. Es geht also überhaupt nicht um die Selbstverwirklichung des Einzelnen
Stattdessen nennt Jesus gerade die glücklich, die von sich selbst wegsehen können, die auf Gott sehen und auf den Nächsten achten.

„Wahres Glück haben alle, die immer mehr vom Geist Gottes erleben möchten. Gerade für sie bricht Gottes mächtige Gegenwart sich Bahn in dieser Welt.
Wahres Glück haben alle, die am Ende sind. Denn sie werden erleben: Gott lässt sie nicht allein.
Wahres Glück haben alle, die auf ihr eigenes Recht verzichten können.
Gerade sie werden das beste Erbe erhalten.
Wahres Glück haben alle, die von einer unstillbaren Sehnsucht erfüllt sind, dass es in der Welt endlich gerecht zugeht. Sie werden erleben, dass ihr Einsatz nicht umsonst gewesen ist.
Wahres Glück haben alle, denen das Leid anderer nicht gleichgültig ist.
Denn auch sie werden in ihren Schwierigkeiten Anteilnahme erfahren.
Wahres Glück haben die Menschen, deren Herz lauter und rein ist. Ja, sie werden Gott selbst sehen.
Wahres Glück haben die, die sich ganz für den Frieden einsetzen. Sie werden den Ehrennamen Kinder Gottes tragen.
Wahres Glück haben alle, die Verfolgung erleiden, weil sie an Gottes gutem Willen festhalten.
Gerade ihnen gehört die neue Wirklichkeit, wo Gott Herr über alles ist.
(Matthäus 5, 3-8)
Auch Jesus zeigt hier einen Weg zum Glück, der weit mehr ist als das Glücksgefühl des Einzelnen. Vielmehr öffnet er seinen Schülern den Blick in die neue Wirklichkeit, in den Raum, indem Gottes Herrschaft sich entfalten kann. Es ist der Raum der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit, des Mit-Leidens, der Reinheit, des Friedens. Hier ist Raum für mich und dich, für den Nächsten und den Fernsten. Und in dieser neuen Wirklichkeit kann sich auch das Negative, die Verfolgung um der Wahrheit willen, in Glück verwandeln.

Der Raum des Glücks

Der entscheidende Punkt ist ganz deutlich: Wahres Glück finden wir nur in Gottes Wirklichkeit. Da, wo er uns nahe kommt. Wo sein Reich hereinbricht in unser Leben. Das sagt Jesus seinen Jüngern zu: Durch ihn ist Gott ganz nahe gekommen, ist erlebbar und erfahrbar geworden: „Aber ihr – ihr erlebt das wahre Glück! Denn eure Augen können sehen und eure Ohren können es hören. Ja, ich sage es euch ganz deutlich: Viele Propheten und gerechte Menschen in den vergangenen Zeiten haben sich danach gesehnt, das sehen zu können, was ihr seht!“ (Mt 13, 16-17)

In Jesus ist Gottes Nähe zu den Menschen gekommen. Wiederherstellung und Heilung, Gerechtigkeit und Gnade sind die Folge.  Gott nahe zu sein, ist mein Glück… Das war unser Ausgangspunkt. Da, wo Gott uns nahe kommt, da wohnt das Glück. Jesus ist der Schlüssel. Er ist die Tür. In ihm ist die Nähe Gottes und seine Gerechtigkeit.
Und weil Jesus bleibt, bleibt auch das Glück, im Leben und im Sterben. So sagt es das letzte Buch der Bibel: „Schreib auf: Wahres Glück haben die Toten, die in der Verbindung mit Jesus, dem Herrn, waren, als sie starben.“ (Off 14, 13)

Roland Werner

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