Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!

Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!

Gott mit dem ganzen Körper loben

„Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“ So heißt es im letzten Psalm der Bibel, Psalm 150. Ein Satz, der in vielen Liedern eingebaut ist, und den wir oft von Herzen mitsingen. Was aber, wenn man, so wie es mir öfters passiert, keinen „Odem“ mehr hat? Das kenne ich nur zu gut. Hier in Marburg wohnen wir in der Oberstadt, und, wie der Name schon sagt, liegt sie „oben“. Das heißt Bergsteigen, um einfach nach Haus zu kommen. Und es heißt auch, dass ich öfters außer Atem komme. Erschreckend, aber wahr.

Das bringt es so mit sich, wenn man als Mann im mittleren Alter  vor allem geistige Arbeit macht. Die trainiert vielleicht die Gehirnmuskeln, aber nicht so sehr die sonstigen, da sie bekanntlicherweise eher im Sitzen ausgeübt wird. Und überhaupt ist das Sitzen  in der christlichen Gemeinde sehr beliebt.
Arbeitskreise, Vorstände, Mitarbeiterkreise, Komittees, Ausschüsse, überall wird gesessen. Auch in Gebetskreisen und Andachten. Und nicht zuletzt im Gottesdienst. Wir sitzen und sitzen und sitzen. Das Sitzen scheint des Christen liebste Haltung zu sein. Zusammensitzen allzumal. Vor-Sitzen erst recht. Nach-Sitzen ist naturgemäß nicht so beliebt.

Für das Sitzen haben wir auch eine gute biblische Begründung. Schließlich saß auch Maria, die Schwester von Martha und Lazarus, zu den Füßen von Jesus. Und als Martha ihr Beine machen wollte, nahm Jesus sie in Schutz. (Lukas 10, 38-42)

Was wir dabei natürlich meist übersehen, ist, dass Jesus mit seinen Schülern, den Jüngern, nicht in Klassenräumen zusammenhockte. Stattdessen lud er sie ein, ihm nachzufolgen. Also mit ihm unterwegs zu sein. Sie wanderten auf und ab im Land. Wer das Heilige Land aus eigener Anschauung kennt, weiß, dass es kein Pappenstiel ist, von Galiläa nach Jerusalem und zurück zu wandern. Sie waren ziemlich fit, Jesus und seine Jünger, davon können wir ausgehen. Das Problem Übergewicht erledigte sich bei karger Kost und ständiger Bewegung von selbst.

Wenn man also mal sitzen konnte, wie auf dem Berg der Seligpreisungen (Mt 7, 1ff), oder in der Synagoge in Nazareth (Lk 4, 14ff), oder auch hier im Haus der drei Geschwister, dann war das die verdiente Erholung nach der Anstrengung der Reise oder nach einem langen Arbeitstag mit Wasserholen, Feldarbeit, Versorgung der Haustiere, Waschen, Kochen und vielem mehr.

Jesus erlaubte Maria, zu Sitzen, zu Lernen, und bestätigte damit, dass sie gleichwertig war, genauso wichtig und lernfähig und schließlich zum Weitergeben und zu Lehren befähigt wie die Männer, die er berufen hatte. In einer Gesellschaft, in der häufig Mädchen und Frauen vom Lernen ausgeschlossen waren, bestärkte Jesus Maria darin, zu lernen und dann auch zu lehren. Darum geht es hier. Das ist das gute Teil das sie erwählt hat.

Was Jesus aber sicher nicht wollte, war, eine bewegungsfeindliche Sitzkultur in seiner Nachfolgerschaft zu rechtfertigen. Neuste Untersuchungen in den USA haben ergeben, dass Menschen, die regelmäßig zur Kirche gehen, im Durchschnitt übergewichtiger sind als die restliche Bevölkerung. Woran das liegen mag? Vielleicht an dem Denken dass es auf den Körper nicht so sehr ankommt wie auf den Geist und die Seele. Vielleicht auch das Missverständnis, dass sich Paulus gegen sportliche Betätigung ausspricht mit seinem Satz: „Die leibliche Übung ist zu wenig nütze.“ (1. Tim 4, 8) Dabei geht er hier nur gegen die Meinung an, man müsste, um Gott zu gefallen, bestimmte asketische Übungen machen und den Körper verachten. Nein, als Christen haben wir eine Verantwortung für alle Bereiche unseres Lebens. Leib, Seele und Geist sollen geheiligt, also in den Dienst Gottes gestellt werden. (1. Thess 5, 23)

Das CVJM-Dreieck drückt es aus. Und die Menschen zur Zeit des Alten Testaments wussten es auch: Zum Gotteslob gehört der ganze Mensch. Deshalb warfen sie sich in der Anbetung nieder, beugten sich vor Gott und gingen auf die Knie. Deshalb wanderten sie zu den großen Festen nach Jerusalem und lobten Gott mit Tanz. So lange sie atmeten, wollten sie Gott loben. Von Gottes Liebe bewegt bewegten sie sich zu seinem Lob. Wäre das nicht auch für uns eine gute Idee?

CVJM Bewegt:
Gott gab uns Augen, damit wir die Welt erkennen, Hände, damit wir sie begreifen, Füße, damit wir sie begehen. CVJM bewegt lässt uns neu erleben, dass wir Gott mit allen Sinnen loben sollen, ganz nach dem CVJM-Dreieck mit Körper, Seele und Geist. Ich freue mich schon auf die Aktion und will auch selbst neu „in Schwung“ kommen.“

Roland Werner, Generalsekretär CVJM-Gesamtverband

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