Früher … lernten wir noch Latein

Früher … lernten wir noch Latein

Kein Scherz, und kein Jägerlatein! Schon in der Sexta – sorry, in der fünften Klasse – kam ich in den Genuss dieser alten Sprache. Bis zur Oberprima – sorry, bis zur Dreizehn – hatte ich täglich 4, 5 oder 6 Stunden, bei denen es um amicus, Attilus und asinus ging. (Für Nicht-Lateiner: um „Freund“, Attilus“ und „Esel“) Was für eine Freude! Und nicht genug damit. Die römische Geschichte nahmen wir gleich drei Mal durch. Natürlich unter dem Blickwinkel, dass die klassische Antike der Höhepunkt der Menschheitsentwicklung war. Und dann durften wir auch die lateinischen Autoren lesen, Männer wie Cicero und Seneca, Vergil und Ovid. Bildung war das Zauberwort.

Außer ein bisschen Englisch – wer braucht diesen neumodischen Kram eigentlich überhaupt? – kamen noch fünf Jahre Griechisch dazu – mit ähnlichem Programm: Plato und Sophokles, Tuchydikes und Sophokles und wie die Brüder alle hießen. Ein bisschen Hebräisch hatten wir auch noch als AG, weil uns der Bildungshunger gepackt hatte.

Bildung war sowieso das Zauberwort, und zwar humanistische Bildung. Neben der Antike wurde die Klassik von Goethe, Schiller und Lessing der Höhepunkt der Menschheitsentwicklung angesehen, und natürlich die Aufklärung: Kant, Schopenhauer, Feuerbach und dann auch noch ihre Nachfahren Nietzsche, Hesse und zur Not auch noch Freud. Für Gott war in dem allen nicht viel Platz, und erst recht nicht für Martin Luther, Paulus oder gar Jesus.

Das bekam nicht nur ich zu spüren. Denn wir erlebten – ganz gegen den Trend unserer Schule – in unserer Klasse eine kleine Erweckung. Übrigens, das habe ich wohl zu sagen vergessen, waren wir nur Jungs. Bei Beginn über 30, zum Abitur waren wir dann auf 14 geschrumpft. Von denen waren während der 9. Klasse, ich meine natürlich während der Obersekunda, gut die Hälfte zum Glauben an Jesus gekommen. Das gab Zoff! Vor allem mit unserem Religionslehrer, einem evangelischen Pfarrer, der sich als Buddhist outete und es als erklärtes Ziel hatte, uns unseren Jesusglauben wieder auszutreiben. Das gelang ihm aber nicht.

Was für mich in dieser Zeit aber deutlich wurde, ist dies: Es gibt nicht nur eine grobschlächtige, populistische Ablehnung des Glaubens an Gott, – also eine Gott-ist-tot- Ideologie auf Bildzeitungsniveau. Das, was ich in meiner Schule erlebte, war anders. Es war eine unter freundlichen Worten getarnte, als aufklärerische, tolerante Bildung deklarierte Ablehnung Gottes. Dazu mussten die klassischen Autoren herhalten, genauso wie die auf der sogenannten Aufklärung konzentrierte Darstellung der europäischen Geistesgeschichte.

Dass es die Christen waren, die Mönche des Mittelalters und die Gelehrten der Reformation, die überhaupt die klassische Bildung, die alten Sprachen und die antiken Autoren überliefert haben, wurde uns in dieser Zeit nicht beigebracht. Beim Abitur spitzte sich das Ganze zu. In den Monaten vorher gab es immensen Stress mit unserem Klassenlehrer, einem Lateiner und Philosophen. Es herrschte richtiger Kampf. Und zwar nicht zwischen uns Christen und ihm, sondern mit seinen Lieblingen, den Gottesleugnern. Die Situation war so verfahren, dass keiner von ihnen mehr bereit war, die Abiturrede zu halten. Schließlich wurde ich gefragt, der ich früher halb-liebevoll öfters als „Moses“ oder „Jesus“ bezeichnet wurde, wegen meines Glaubens und meines Engagements im Schulgottesdienst. Natürlich nutzte ich die Abiturfeier, um der versammelten Bildungselite den Unterschied zwischen klassischem Humanismus und Evangelium deutlich zu machen. Nur durch das Evangelium, nur durch Jesus gibt es Vergebung und Versöhnung. Ob das manche der eingefleischten Humanisten zum Nachdenken brachte? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall nutzte ich die Abiturfeier als missionarische Chance. Ich wollte nicht von dieser Bildungsanstalt Richtung Studium abdampfen, ohne noch einmal deutlich zu machen: Verbum Dei manet in aeternum.

Roland Werner, August 2013

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.