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Jahr: 2013

Früher … lernten wir noch Latein

Früher … lernten wir noch Latein

Kein Scherz, und kein Jägerlatein! Schon in der Sexta – sorry, in der fünften Klasse – kam ich in den Genuss dieser alten Sprache. Bis zur Oberprima – sorry, bis zur Dreizehn – hatte ich täglich 4, 5 oder 6 Stunden, bei denen es um amicus, Attilus und asinus ging. (Für Nicht-Lateiner: um „Freund“, Attilus“ und „Esel“) Was für eine Freude! Und nicht genug damit. Die römische Geschichte nahmen wir gleich drei Mal durch. Natürlich unter dem Blickwinkel, dass die klassische Antike der Höhepunkt der Menschheitsentwicklung war. Und dann durften wir auch die lateinischen Autoren lesen, Männer wie Cicero und Seneca, Vergil und Ovid. Bildung war das Zauberwort.

Außer ein bisschen Englisch – wer braucht diesen neumodischen Kram eigentlich überhaupt? – kamen noch fünf Jahre Griechisch dazu – mit ähnlichem Programm: Plato und Sophokles, Tuchydikes und Sophokles und wie die Brüder alle hießen. Ein bisschen Hebräisch hatten wir auch noch als AG, weil uns der Bildungshunger gepackt hatte.

Bildung war sowieso das Zauberwort, und zwar humanistische Bildung. Neben der Antike wurde die Klassik von Goethe, Schiller und Lessing der Höhepunkt der Menschheitsentwicklung angesehen, und natürlich die Aufklärung: Kant, Schopenhauer, Feuerbach und dann auch noch ihre Nachfahren Nietzsche, Hesse und zur Not auch noch Freud. Für Gott war in dem allen nicht viel Platz, und erst recht nicht für Martin Luther, Paulus oder gar Jesus.

Das bekam nicht nur ich zu spüren. Denn wir erlebten – ganz gegen den Trend unserer Schule – in unserer Klasse eine kleine Erweckung. Übrigens, das habe ich wohl zu sagen vergessen, waren wir nur Jungs. Bei Beginn über 30, zum Abitur waren wir dann auf 14 geschrumpft. Von denen waren während der 9. Klasse, ich meine natürlich während der Obersekunda, gut die Hälfte zum Glauben an Jesus gekommen. Das gab Zoff! Vor allem mit unserem Religionslehrer, einem evangelischen Pfarrer, der sich als Buddhist outete und es als erklärtes Ziel hatte, uns unseren Jesusglauben wieder auszutreiben. Das gelang ihm aber nicht.

Was für mich in dieser Zeit aber deutlich wurde, ist dies: Es gibt nicht nur eine grobschlächtige, populistische Ablehnung des Glaubens an Gott, – also eine Gott-ist-tot- Ideologie auf Bildzeitungsniveau. Das, was ich in meiner Schule erlebte, war anders. Es war eine unter freundlichen Worten getarnte, als aufklärerische, tolerante Bildung deklarierte Ablehnung Gottes. Dazu mussten die klassischen Autoren herhalten, genauso wie die auf der sogenannten Aufklärung konzentrierte Darstellung der europäischen Geistesgeschichte.

Dass es die Christen waren, die Mönche des Mittelalters und die Gelehrten der Reformation, die überhaupt die klassische Bildung, die alten Sprachen und die antiken Autoren überliefert haben, wurde uns in dieser Zeit nicht beigebracht. Beim Abitur spitzte sich das Ganze zu. In den Monaten vorher gab es immensen Stress mit unserem Klassenlehrer, einem Lateiner und Philosophen. Es herrschte richtiger Kampf. Und zwar nicht zwischen uns Christen und ihm, sondern mit seinen Lieblingen, den Gottesleugnern. Die Situation war so verfahren, dass keiner von ihnen mehr bereit war, die Abiturrede zu halten. Schließlich wurde ich gefragt, der ich früher halb-liebevoll öfters als „Moses“ oder „Jesus“ bezeichnet wurde, wegen meines Glaubens und meines Engagements im Schulgottesdienst. Natürlich nutzte ich die Abiturfeier, um der versammelten Bildungselite den Unterschied zwischen klassischem Humanismus und Evangelium deutlich zu machen. Nur durch das Evangelium, nur durch Jesus gibt es Vergebung und Versöhnung. Ob das manche der eingefleischten Humanisten zum Nachdenken brachte? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall nutzte ich die Abiturfeier als missionarische Chance. Ich wollte nicht von dieser Bildungsanstalt Richtung Studium abdampfen, ohne noch einmal deutlich zu machen: Verbum Dei manet in aeternum.

Roland Werner, August 2013

Früher … sorgten Evangelisationen noch für Aufruhr

Früher … sorgten Evangelisationen noch für Aufruhr

So zum Beispiel in Marburg. Es war in den achtziger Jahren. Einige Gemeinden und Jugendgruppen hatten sich zusammen getan, um gemeinsam eine Evangelisation durchzuführen. Stopp, es stimmt, vielleicht sollte ich das Wort „Evangelisation“ erst einmal erklären. Ich kann ja nicht davon ausgehen, dass jeder Leser sich darunter etwas vorstellen kann. Denn sie scheinen etwas aus der Mode gekommen zu sein, die Evangelisationen, ähnlich wie Faltenröcke oder auch der Tyrannosaurus Rex.
Also, das zugegebenermaßen nicht sehr schöne und eingängige Wort „Evangelisation“ – erstens ein Fremdwort und zweitens eins mit sechs Silben – bedeutet meist eine Veranstaltungsreihe in einem öffentlichen oder kirchlichen Gebäude. In diesen Veranstaltungen gab es meist Musik, persönliche Berichte von Einzelnen über ihr Leben und ihren Glauben, und dann eine längere Predigt. Diese endete mit einer Einladung zum Gespräch und der Ermutigung an die Zuhörer, selbst Schritte im Glauben an Jesus zu tun.
Soweit so gut. Das ist in sich ja noch nicht sehr spannend oder revolutionär. Dennoch erhitzten solche Veranstaltungen gelegentlich die Gemüter sehr. So damals in Marburg. Mehrere Hundert meist junge Leute kamen jeden Abend in das eigens aufgebaute Zelt. Dort gab es regelmäßig erhitzte Diskussionen. Im Vorfeld hatte es auch kleinere Demonstrationen gegen die Veranstaltung gegeben, sowie einen Artikel in einem Marburger Verteilblatt. Den schärfsten Gegenwind jedoch erlebten die, die am Eingang zur Mensa, also zum Studentencafé, Einladungen verteilten. In Marburg liegt die Mensa direkt neben der Lahn, und der Zugang führt über eine kleine Fußgängerbrücke. Dort hatten einige Mitarbeiter einen kleinen Büchertisch aufgebaut, schön dekoriert unter anderem mit Teddybären. Sympathische, friedfertige Plüschtiere also, nett anzusehen. Doch das half ihnen nicht viel. Plötzlich stürmte eine politisch motivierte Gruppe auf den Büchertisch zu, schnappte ihn und warf ihn samt Einladungen, Bibeln und Teddybären ins Wasser. Hier offenbarte sich rohe Gewalt gegen Plüschtiere! Vor allem aber eine ideologisch motivierte Intoleranz gegen Christen und ihre Botschaft.
Evangelisationen waren halt heiß umkämpft. Damals. Es ging nicht immer harmonisch zu. Wir machten dennoch weiter. Denn klein beigeben oder den Mund halten, das war nicht unsere Sache. Die Botschaft von Jesus muss doch zu den Leuten! Und so scheuten wir die Konflikte nicht. Und veranstalteten weiter Evangelisationen. Auch wenn sie für Aufruhr sorgten. Wir fanden das normal, dass Christen eine Botschaft hatten, die sich vom Mainstream des Zeitgeistes unterschied. Und wir waren bereit, dafür auch Widerstand in Kauf zu nehmen. So war das damals. Damals eben.

Roland Werner, August 2013

Früher … beteten wir noch gegen Sexshops

Früher … beteten wir noch gegen Sexshops

Es war in den Siebzigern. Die so genannte sexuelle Revolution war noch in der Startphase. Die Hippiebewegung hatte die „freie Liebe“ propagiert. Jetzt ging es einen Schritt weiter in Richtung Kommerz. Die ersten Sexshops wurden eröffnet. Auch in meiner Heimatsstadt Duisburg. Für die meisten Leute war das ein Skandal. Mitten in der Innenstadt machte Beate Uhse einen Laden auf. Ein weiterer Schritt für ihr Millionen-Imperium. Wir fanden das skandalös. Wie konnten erwachsene Männer, verheiratete noch dazu, in solche Läden gehen? Und – was machte das mit ihrer Seele? Vielleicht waren wir naiv – aus heutiger Sicht sicher. Auf jeden Fall beteten wir gegen solche Shops. Nein, es waren keine Sit-Ins. Nur das Gebet, dass möglichst wenige Leute da hinein gehen. Dass die Ehen nicht zerbrechen. Dass die Läden möglichst bald wieder schließen würden. Auf dem Pflaster vor dem Shop stand plötzlich in großen, farbigen Lettern: „Jesus bietet mehr als Sex!“ Wir wussten nicht, wer das dorthin geschrieben hatte. Wahrscheinlich die Jesus-People aus dem Duisburger Süden. Viele Monate war die Schrift sichtbar. Jeder, der den Laden betrat, hatte sie vorher gelesen. Schließlich wurden die Pflasterplatten vertauscht, so dass man den Sinn der Buchstaben nicht mehr erkennen konnte.
Na ja, heute gibt es in unseren Großstädten nicht nur einen Sexshop, sondern gleich mehrere. Es ist offenbar normal geworden, da hinein zu gehen. Gesellschaftlich geächtet ist es jedenfalls nicht mehr wirklich. Und außerdem – durch das Internet kann sich jetzt jeder seine Pornos direkt ins Wohnzimmer holen. Auch vor Christen macht das nicht halt. Ist doch alles nicht so schlimm! Wir wollen doch schließlich nicht verklemmt sein!
Doch, was als Versprechen einer großen Freiheit begann, ist längst für viele zu einer weiteren Variante von Sucht geworden. Anstatt uns in die Freiheit zu führen, hat die sexuelle Revolution viele Menschen in Süchte und Zwanghaftigkeiten geführt. Die Sexualisierung hat längst auch Jugendliche und Kinder erreicht. Pornofilme und teilweise perverse Bilder werden in den Schulklassen untereinander weitergegeben. Was auf der Strecke bleibt, ist die Würde der Menschen, besonders der Frauen. Die Bilder, die wir sehen, brennen sich in unseren Köpfen ein. Und manch einer wird dadurch nicht nur belastet, sondern unfähig, eine gesunde Sexualität zu entwickeln.
Während ich schreibe, merke ich, dass das so ganz gegen den Geist unserer Zeit geht. Es ist einfach uncool, den Finger auf diese Sache zu legen. „Du sollst nicht ehebrechen…“ Ja, ja, habe ich schon mal gehört. „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau…“ Okay, steht auch in der Bibel. Aber – muss man das wirklich so ernst nehmen? „Unter euch sollen sexuelles Fehlverhalten oder Unreinheit und auch die Gier nach Reichtum noch nicht einmal Gesprächsgegenstand sein.“ (Epheser 5, 3,dasbuchNT.) Zum Christsein gehörte einfach sexuelle Enthaltsamkeit außerhalb der Ehe. Früher war das so. Na ja, früher eben.

Roland Werner, Juni 2013