Gemeinsam im Boot

Gemeinsam im Boot

Gemeinsam im Boot
Sitzen wir hier
Die Wellen schaukeln
Wasser spritzt herein
Denn wir sind unterwegs
Mit Kraft und Mut und Freude
Gemeinsam unterwegs
Die Zukunft ruft

Gemeinsam im Boot
Sitzen wir hier
Schon lange
Das hätten wir nicht gedacht
Dass das so lange dauert
Dass wir uns so nahe kommen
So gut kennen – lernen – müssen – würden
Denn wir sind unterwegs
Immer noch mit Kraft und Mut
Aber manchmal würden wir auch gern ankommen
Irgendwo
Am besten am Ziel!

Gemeinsam im Boot
Sitzen wir hier
Mit den anderen
Schwestern und Brüdern
Ach ja, es sind ja auch Menschen
Das hätten wir fast vergessen
Wieso rudern eigentlich immer die Gleichen?
Und wieso geben immer die Selben den Takt an?
Und warum ruhen die anderen sich immer aus?
Wir sind unterwegs.
Wir rudern.
Rhythmisch klingt es, aber auch eintönig
Und wir sind unterwegs
Immer noch.
Doch: Wo ist Er eigentlich?

Gemeinsam im Boot
Und da gibt es zwei Geschichten.
In beiden wird es stürmisch.
In beiden bedrohlich.
Sehr sogar.
Lebensbedrohlich.
Der Wind wütet und pfeift
Die Wellen peitschen die Gischt ins Gesicht
Das Boot schwankt bedenklich
Hebt sich und fällt wieder.
Wir sind unterwegs
Oder drehen wir uns im Kreis?
Wo ist bloß das Ufer, das Ziel?
Wir ahnten es schon, doch jetzt ist es weiter entfernt als je.

Gemeinsam im Boot
Zwei Geschichten, so sagte ich.
In der einen schläft er.
Scheinbar unbekümmert und sorglos.
Ahnungslos.
Entrückt.

In der anderen ist er gar nicht zu sehen.
Er blieb ja am Ufer zurück.
Kyrie, eleison!
So entringt sich der Schrei der geängstigten Kehle.
Eingeschnürt. Vom Lebensatem abgeschnürt.
Kyrie, eleison!
Meister, kümmert es dich nicht, dass wir versinken?

Gemeinsam im Boot.
Das hätten wir fast vergessen.
Ja, das haben wir übersehen.
Er ist ja dabei.
Er wacht auf.
Er erhebt sich.
Er fragt uns:
Habt ihr wirklich so wenig Vertrauen?

Gemeinsam im Boot.
Aus der Dunkelheit taucht er auf.
Schemenhaft zuerst.
Lässt er sich sehen.
Kommt immer näher.
Spricht uns an.
Und nicht nur uns!
Schweig still und verstumme!
So herrscht er den Wind und das Meer an.
Augenblicklich wird es ganz still.
Werden wir ruhig.
Friede breitet sich aus.

Gemeinsam im Boot.
Immer noch.
Aber nicht allein.
Jesus ist dabei.
Er ist mit im Boot.
Und dann geht es doch.
Das hätten wir eigentlich wissen können.

© Roland Werner 01.05.2010

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