33. Sieben Tage — und viel mehr

33. Sieben Tage — und viel mehr

Mittwoch, 22.9.: Seit Montag bin ich in Dublin auf einer europäischen Tagung des YMCA/CVJM. Über 150 Hauptamtliche aus ganz Europa sind dabei. So unterschiedlich die YMCAs in den verschiedenen Ländern sind, so verschieden auch die Arbeiten. Manche sind vor allem sozial ausgerichtet, so eine Arbeit mit obdachlosen Jugendlichen in London oder ein Sportprojekt aus Schweden. Andere haben auch eine missionarische Perspektive, so die Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz. Wieder andere bewegen sich irgendwo dazwischen. In meinen Referaten über „positive impact“ versuche ich Brücken zu schlagen zueinander und zu Jesus. In den Gesprächsgruppen gibt es heiße Diskussionen: Heißt Mitarbeiter im YMCA zu sein unbedingt auch Christ zu sein? Eine junge Engländerin kommt zu mir. Sie ist bewusst nicht Christ, will aber offen sein. Wir kommen in ein gutes Gespräch.
Dublin als Stadt ist toll. Ich bin zum ersten Mal da. Gestern konnte ich den Pastor einer wachsenden Gemeinde treffen und die Innenstadt besuchen. Es ist schön zu wissen, dass Gott in diesem Land mit einer alten, lebendigen Geschichte neues Leben, neue Gemeinschaften und neuen Glauben wachsen lässt. Das Lied, das wir heute morgen vor meiner Bibelarbeit sangen, war als geistlicher Input eher gewöhnungsbedürftig. Dennoch sangen die meisten fröhlich mit bei „We all live in a yellow submarine“.

Donnerstag, 23.9.: Morgens geht es gleich mit Torsten Hebel nach Kassel. Dort treffen wir uns als JesusHouse-Arbeitskreis um die Satellitenevangelisation im Oktober 2000 vorzubereiten. Diesmal werden wir an fünf Abenden Programm machen und zwar vom Pavillon der Hoffnung aus — dem großen Fisch auf der EXPO in Hannover. Es ist gut zu erleben, wie Gott uns in dem Vorbereitungsprozess eine immer größere Einheit schenkt.
Nachmittags geht es wieder nach Marburg. Dort habe ich noch eine gute Stunde Zeit für Erledigungen im Büro. Dann ab in den Christus-Treff: Gottesdienst. Wir haben gerade eine Reihe über die zehn Gebote: Countdown zum Leben. Ich bin dankbar, dass ich heute Abend keine Aufgabe habe.

Freitag, 24.9.: Um halb neun treffen sich Torsten, Lars und ich, um nach Güstrow zu fahren. Dort ist Nordlicht-Christival angesagt, das erste große christliche Jugendfestival in Mecklenburg seit der Wende. Das Wetter ist bombig, es sind über 900 Leute gekommen. Torsten macht Kabarett, ich darf verkündigen. Es ist großartig die Stimmung mitzuerleben. Für die Leute, die oft aus sehr kleinen Jugendgruppen kommen, ist ein so großes Treffen eine echte Ermutigung. Für uns übrigens auch.
Abends essen wir noch etwas in einem Restaurant. Ich frage die Kellnerin: Waren sie schon einmal in einer Kirche? Antwort: Nein! Ich lade sie ein, am Sonntag in die Pfarrkirche auf dem Güstrower Markt zu kommen, wo ich predigen werde.

Samstag, 25.9.: Das Festival geht weiter. Obwohl manches in der Technik und im Ablauf nicht sofort gelingt, bleibt die Stimmung bombig. Nach der Predigt von Werner Nachtigall gehen über zwanzig Leute in den Gesprächsraum um ihr Leben für Gott zu öffnen. Für mich sind die Begegnungen mit Einzelnen die Höhepunkte. Ich finde es klasse, wie die verschiedenen Gemeinden zusammenarbeiten um dies möglich zu machen. Gott gibt seinen Segen, wo Christen zusammenkommen, zusammen beten und arbeiten.

Sonntag, 26.9.: Am Morgen sind wir in verschiedenen Kirchen und Gemeinden in Güstrow. Nach der Abschlussveranstaltung, die noch mal richtig Saft hatte, schwingen wir uns ins Auto und fahren nach Hamburg. Wir sind richtig happy über das, was wir erlebt haben.
In Hamburg treffe ich mich mit einem englischen Schauspieler, den ich von einer Konferenz in London kenne. Es ist gut sich auszutauschen und miteinander zu beten. Um elf Uhr nachts treffe ich mich noch mit Taade, einem der ältesten der Jesus Freaks. Mit ihm verbindet mich eine Freundschaft, die sich langsam entwickelt hat, aber immer tiefer wird.

Montag, 27.9.: Noch immer Hamburg. Morgens Frühstück mit Lars und seinen Eltern. Großartige Leute, die ihr ganzes Leben lang Jesus gedient haben. Dann geht es noch mal zu den Jesus Freaks. Um zwölf steigen Lars und ich ins Auto und fahren nach Kassel.
Leider gibt es nicht nur einen Stau. So komme ich über eine Stunde zu spät zur Sitzung der AGJE (Arbeitsgemeinschaft für Jugendevangelisation). Das Thema ist spannend. Es geht um zeitgemäße Evangelisation. Was der Referent sagt, fordert uns Hauptamtliche zu einer angeregten Diskussion heraus. Es tut gut mal richtig schön zu argumentieren. Abends fahren wir nach Marburg zurück. Es ist der Männerabend unserer Gemeinschaft. Austausch und Gebet füreinander sind angesagt.

Dienstag, 28.9.: Endlich mal ein ganzer Tag in Marburg! Heute wird das Büro unsicher gemacht. Schön ist, dass in dem Haus, in dem unsere Büros sind, wieder regelmäßig ein Abendgebet stattfindet. Georg, der bis zum Sommer vier Jahre unsere Arbeit in Israel geleitet hat, hat es vor ein paar Wochen wieder eingeführt. Obwohl nur wir beide in der Kapelle sind, ist es gut, in der Gegenwart Gottes zur Ruhe zu kommen und unseren Alltag und unsere Sorgen vor ihn zu bringen.

Sieben Tage und viel mehr. Was mehr drin ist als nur Leben, ist das, was Gott bewirkt, manchmal offensichtlich, oft aber auch verborgen. Mittendrin mitmischen zu können ist ein Vorrecht, für das ich jeden Tag dankbar sein will.

In diesem Sinne herzlich
euer Roland Werner

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