32. Worte des Lebens

32. Worte des Lebens

Für mich waren es Worte. Worte, die mein Leben verändert haben. Worte, die die Richtung zeigten, in die meine Sehnsucht mich zog. Die Macht von Worten ist ungeheuer.
Worte können Menschen für Jahre und Jahrzehnte festlegen, knechten, zerstören. Worte können aber auch heilen, befreien, aus einem Gefängnis oder eine Sackgasse heraushelfen.
Worte können niederdrücken. Worte können aber auch emporheben.
Worte des Todes. Worte des Lebens.
„Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, dass du bist der Christus, der Lebendige, der von Gott kommt.“ So sagte es Petrus, der Menschenfischer. Welche Worte höre ich? Welchen Worten gehöre ich? Welchen Worten verleihe ich Gewicht, gebe ich Glauben und Bedeutung?

Zwei Situationen aus meinem Leben.
Ich war siebzehn, wohnte in den USA bei einer amerikanischen Gastfamilie. Die Verhältnisse waren schwierig. Eine absolute Schieflage. Seelische und körperliche Misshandlung waren zwar nicht ständig da, aber dennoch real und prägend. Ich kam immer mehr in eine Depression hinein. Fern von zu Hause wollte ich meine Eltern nicht belasten. Wie hätten sie auch helfen können? So versuchte ich selbst damit fertig zu werden. Als guter Christ wollte ich Liebe in die Situation hineinbringen. Aber ich merkte auch, dass ich die Probleme dieser Familie nicht lösen konnte. Schließlich war ich mit den Nerven am Ende. Ich konnte nicht mehr denken, nicht mehr beten, mich nicht mehr freuen. Damals machte ich mir zur Regel, zumindest einen Psalm an jedem Tag zu lesen und zwar laut, um ihn zu meinem Gebet zu machen. Schließlich kam ich zu Psalm 51. In der alten „Authorized Version“, auch als „King James“-Übersetzung bekannt, betet David: „Restore unto me the joy of Thy salvation.“ Das war das Wort, das meine Situation beschrieb. Ich hatte alle Freude verloren. Ich war seelisch ausgelaugt. Dies war mein Gebet, meine Bitte: „Gib mir meine Freude zurück. Ich weiß, dass ich zu dir gehöre. Aber hilf mir, das auch zu erfahren.
Hol mich aus dem Loch, Jesus. Ich will wieder entspannt lachen können.“
Jeden Tag betete ich das. Und langsam merkte ich, wie Gott genau das tat: wie die Freude in mein Leben zurückkehrte.
Eine zweite Begebenheit. Ich war für einige Monate in Ägypten als Praktikant in einem Missionskrankenhaus. Am Ende schenkte mir eine ältere Missionarin eine arabische Bibel. Vorn hinein hatte sie einen Satz geschrieben: „Wa laakin ‚ala kilmatak. Aber auf dein Wort hin …“ (Lukas 5, 5). Petrus sagte das zu Jesus, als dieser ihn aufforderte, noch einmal auf das Meer zu fahren und zu fischen. Menschlich gesehen unlogisch und sinnlos. „Aber auf dein Wort hin …“ Sprach’s und tat das scheinbar Widersinnige. Für mich wurde das ein weiteres lebendiges Wort. Etwas wagen, einfach weil Jesus es sagt.

Es war Dezember 1993. Wir hatten ein Angebot, als Gemeinschaft ein größeres Haus zu kaufen. Drei Millionen sollte der Spaß kosten. Das war billig im Vergleich zum Wert des Gebäudes. Aber teuer für unsere Vereinskasse, zumal dann noch mehrere hunderttausend Märker für die Grundrenovierung nachzuschieben waren. Kurz bevor ich den Vertrag unterschrieb, rief ich einen Freund an, einen Architekten, der schon ähnliche Projekte vorangebracht hatte. „Hermann, bitte sag mir, ob wir es kaufen sollen oder nicht. Du bist Architekt, du bist Schwabe (also vernünftig im Gegensatz zu mir), du bist zwanzig Jahre älter, du kannst rechnen. Sollen wir es kaufen oder nicht?“ Die Antwort war mehr als deutlich: „Ihr müsst es kaufen, denn wir brauchen in Zukunft Orte, wo Hoffnung erlebbar wird. Wir brauchen geistliche Zentren, wo viele eine Heimat finden und Impulse für ihr Leben bekommen.“
Während er so redete, fiel mir dieser Satz ein: „Aber auf dein Wort hin …!“ Also war ich gehorsam, unserem Berater und dem Wort der Bibel, und unterschrieb den Vertrag. An dem Tag hatten wir 260 Mark auf unserem Vereinskonto. Seitdem sind wir in den Miesen. Aber es war richtig. Denn es ist ein Zentrum entstanden, in dem Hunderte und inzwischen Tausende Begegnungen mit Gott erleben konnten.

Für mich ist die Bibel kein Dogmenbuch, sondern ein Lebensbuch. Wenn das Wort in unsere Herzen fällt wie ein Samenkorn, kann es aufgehen und Frucht tragen und zwar vielfältig. Gegen die negativen Worte, die wir getankt haben und die wir auch anderen gegenüber immer wieder sagen, können und müssen wir die heilenden Worte der Bibel setzen. Denn die Worte von Jesus sind mehr als Schall und Rauch. Darin ist Realität und Leben. Dynamit, das Mauern sprengt, Öl, das Wunden heilt, Brot, das unsere Seele satt macht.
Die Worte Gottes sind keine leeren Hülsen, sondern Lebensworte. Deshalb möchte ich dich ganz zum Schluss fragen, ob du schon ähnliche Erfahrungen gemacht hast? Das wünsche ich dir. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht. Hört sich übrigens nicht nur gut an, sondern ist so.

Herzlich
Dein Roland Werner

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