22. Veränderungen

22. Veränderungen

Nun bin ich im letzten Jahr doch tatsächlich vierzig Jahre alt geworden! Unglaublich! Als Zwanzigjähriger dachte ich, daß es am besten sei, mit dreißig zu sterben. Danach kommt sowieso nichts mehr, meinte ich damals. Manchmal, wenn ich so in den Spiegel gucke, denke ich, daß ich damals recht hatte. Aber hier bin ich jetzt, ein ältergewordener Jugendlicher bzw. ein junggebliebener Opa, und denke laut vermittels einer Kolumne in dran über Gott, die Welt, meine Mitmenschen und mich nach. Wenn man alt wird, sinniert man schon manchmal. Also: Heute denke ich über Veränderungen nach.
Was hat sich eigentlich verändert, seit ich zwanzig war? Da fällt mir witzigerweise zuerst die Mongolei ein. Ein Land, in dem ich noch nie war. Aber ich erinnere mich, daß ich früher etwas darüber gelesen habe. Zum Beispiel im Buch „Gebet für die Welt“. Da hieß es: Mongolei. Hauptstadt Ulan Bator. Kommunistisch regiert. Bekannte Christen: im Land keine. Außerhalb einer oder zwei.
WOW! Veränderung! Heute, zwanzig Jahre später, geht die Zahl der Christen in die Tausende. Überall im Land entstehen Gemeinden. Eine neue mongolische Bibelübersetzung ist in der Mache. Es gibt verschiedene Bibelschulen, in denen einheimische Pastoren ausgebildet werden. Und überall kann in völliger Freiheit die Botschaft von Jesus verkündet werden. Hilfstransporte und neue soziale Einrichtungen helfen, Not zu lindern, wo sie am größten ist. Veränderungen überall. Die Mongolei ist für mich eins der eindrücklichsten Beispiele.

Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf, und sie wandern ein paar tausend Kilometer nach Süden. Nepal. Als ich Anfang zwanzig war, flog ein Freund von mir, der Medizin studierte, für einige Monate dorthin, um in der Stadt Pokhara in einem christlichen Leprakrankenhaus mitzuarbeiten. Die Zahl der Christen war klein in diesem Land, in dem der König göttlichen Status für sich beansprucht. Wenn jemand getauft wurde, mußte er damit rechnen, ins Gefängnis zu kommen. Besonders derjenige, der taufte, mußte mit harten Strafen rechnen. Heute, zwanzig Jahre später, ist durch eine einheimische Bewegung die Zahl der Christen auf über hunderttausend angewachsen. Trotz Verfolgung und Behinderung lassen es die nepalesischen Christen sich nicht nehmen, ihren Landsleuten die beste aller Nachrichten weiterzugeben. Veränderungen.

Veränderungen auch bei uns im Land? Was ist anders geworden in den letzten zwanzig Jahren? Da fällt mir vieles ein. Natürlich die Wiedervereinigung. Niemand hätte beim Christival 1976 in Essen gedacht, daß das dritte Christival, zwanzig Jahre später, in Dresden stattfinden würde. Noch 1988, in Nürnberg, als nach vielem Hick-Hack schließlich doch einige Teilnehmer aus der DDR kommen konnten, hat es noch niemand geahnt. Wie prophetisch das Lied von Jörg Swoboda war, wurde uns erst hinterher bewußt: „Die Mächtigen kommen und gehen, und auch jeder Vorhang bald fällt …“ Veränderungen.
Oder die Veränderung in der kirchlichen Landschaft. Ein weitaus geringerer Teil der Bevölkerung gehört heute noch zur Kirche, als es noch vor zwanzig Jahren der Fall war. Die Kirchen sind leerer geworden, auch etwas ärmer. Immer weniger Menschen haben überhaupt noch einen Kontakt zur Kirche oder zu Gemeinden. Das ist eine deutliche Veränderung. Aber ob das auch eine innere Veränderung nach sich zieht — oder ob wir noch einmal zwanzig Jahre warten müssen? Ich bin gespannt. Noch sind die Zeichen für Umdenken oder neues missionarisches Bewußtsein sehr dünn gesät. Noch scheint man sehr auf Rechte, Ämter und Institutionen zu pochen und ist nur wenig zu den Menschen unterwegs. Veränderungen — ich hoffe, daß ich sie noch erleben werde.

Aber auch bei uns gibt es positive Veränderungen. Vor zwanzig Jahren war die Kluft zwischen den sogenannten Charismatikern und den übrigen Christen sehr groß. Man gehörte entweder zum einen oder zum anderen Lager. Brücken gab es wenige. Sehr viele Vorbehalte, Verdächtigungen, Vorwürfe und Vermutungen lagen in der Luft.
Häufig wurden die Andersdenkenden ausgegrenzt und ihnen sogar das Christsein abgesprochen. Das ist Gott sei Dank vielerorts anders geworden. Man läßt sich gegenseitig stehen. An manchen Stellen arbeiten die Leute sogar zusammen, ohne damit unbedingt ihre Gegensätzlichkeiten aufzugeben. Auch bei uns gibt es viele neue Impulse. Christen werden offener, Neues auszuprobieren. Das finde ich großartig. Veränderungen.
Beim Nachdenken darüber fällt mir auf: Veränderungen fallen nicht so einfach vom Himmel. Sie passieren nicht „einfach so“. Sondern: Ich bin ja mitten drin! Ich kann mitmachen bei Veränderungen. Meine Stimme zählt genauso wie die von jedem anderen. Wenn ich mich verändere, hat das Auswirkungen, zum Guten oder zum Schlechten.
Also, liebe Freunde, macht was draus! Die zwanzig besten Jahre liegen vor euch! Wenn ihr jetzt nichts wagt, wenn ihr jetzt keine radikale Jesus-Nachfolge lebt, werdet ihr sie aller Wahrscheinlichkeit mit vierzig oder älter auch nicht auf die Reihe kriegen! Veränderungen — bist du dabei, oder hockst du hinter dem Ofen? Die Wahl liegt bei dir.

Herzlich! Euer
Roland

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