19. Worlds of Worship oder: Macht mehr Musik!

19. Worlds of Worship oder: Macht mehr Musik!

Manche denken ja, Geld bewege die Welt. Mag sein. Musik aber mindestens ebenso. Zumindest die Welt der Christen. Obwohl es viele nicht zugeben würden, ist eine der am häufigsten gestellten Fragen bei einer Gemeindesuche – meist hinter vorgehaltener Hand – wohl diese: Welche Musik machen die denn so?
Nicht etwa: Wird dort das lautere Evangelium verkündigt? Oder: Ist diese Gemeinde missionarisch oder sozial engagiert? Noch nicht einmal die naheliegende Frage: Sind die Frauen dort attraktiv? Oder: Gibt es dort millionenschwere Junggesellen?

All dies scheint keinen zu interessieren. Stattdessen geht es schlicht und ergreifend um die Musik. Und je nachdem, wie die Antwort ausfällt, hat einer Lust, dahin zu gehen oder auch nicht. Wer meint, die Gemeindeleiter oder Prediger seien die Bosse in Gemeinden, hat sich stark getäuscht. Und auch die Altarblumensteckerinnen, Gemeindesekretärinnen, Frauenhilfeleiterinnen, Küsterinnen oder Synodalbeauftragtinnen sind -– trotz aller ihnen inne- und beiwohnenden Machtfülle –- nicht die wirklichen Herrscher der Herde. Nein, es sind die Musiker –- je nach Tradition Leviten, Organisten, Kantoren, Wörshiplihder, Flötengruppenvorsteher, Vorsänger, Anbetungsbandanführer oder Kirchenmusiker genannt. Denn: Music is where the heart is. Frei übersetzt für alle Englischhasser: Musik is wo dat Herz is.

Ja, Musik bewegt die Welt. Keine Autofahrt ohne Musik aus Radio, CD- oder Kassettenspieler. Keine Gemeindebusfahrt ohne gemeinsames Singen. Keine Jungschar, kein Jugendkreis, keine Seniorengottesdienst, kein Geburtstag (doch, doch: Häppi Börsdeh und so!), keine Weihnachtsfeier ohne Musik. Nur eine Veranstaltung hat der Musikbelagerung vielerorts getrotzt wie weiland die Gallier den Römern: Der Kirchenvorstand. Mit Rücksicht auf…. na eigentlich alles und jeden, wird dort nicht gesungen. Aber ansonsten steht Musik an erster Stelle in der christlichen Gemeinde.
Dabei ist der Musikmarkt in der Christenheit ziemlich klein geraten. Zumindest bei uns in deutschen Land. Und das ist der Grund meiner Klage: Ich fordere mehr Musik! Und zwar mehr unterschiedliche! Sonst mach ich nicht mehr mit!

Aber zuerst etwas Hintergrundinformation, sozusagen ein kleiner geistlicher Musikführer, völlig willkürlich aus meinem Leben gegriffen. Denn ich kann mit Fug und Recht behaupten, ein Stück Musikgeschichte miterlebt und miterlitten zu haben (wenn schon nicht mitgeschrieben …).
Ich war dabei. Ich bin Ohrenzeuge: Eine kleine Kostprobe folgt. Dabei muss ich darauf hinweisen, dass jeder Titel für etwa 400 bis 600 ähnliche, ebenfalls zitierbare steht. Los geht’s:

Auf den Urlaubsfahrten mit der Großfamilie: Gott ist die Liebe („Drum sag ich’s noch einmal …“ — meistens mehrere hundert Male, bis wir in Italien waren). In der Jungschar: „Fest und treu wie Daniel war …“ Im Kindergottesdienst: „Wie mit grimm’gem Unverstand Wellen sich bewegen …“ (Kennt das einer von meinen Lesern? Wenn ja, bitte schreiben!) Im Jugendkreis: „Kennt ihr schon den Bericht von Petrus?“ In der Kirche: „Es kommt ein Schiff, geladen“. (Übrigens von mir auf der Orgel begleitet!) Bei den Jesus People: „Die Blumen blühen – sie blühen für Jesus! Die Vögel singen …“ Im Austauschjahr in Seattle: „We’re marching to Zion!“ (Mit Marschierübungen in der Kirche). Im Weiglehaus: „Steil und dornig ist der Pfad, der uns zur Vollendung leitet“. In der SMD: „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Beim CVJM: „Geh, Abraham, geh!“ In der Brüdergemeinde: „Es ist das ewige Erbarmen …“ Bei der Jesus-Bruderschaft: „Ihr seid das Salz der Erde.“ In der Pfingstgemeinde: „O dass du könntest glauben!“ In St. Aldate“s in Oxford: „Wind, wind, blow on me!“ In Assuan: „Stark ist meines Jesu Hand!“ Im Christus-Treff: „Jeder, der Durst hat …“(ein Zungenbrecher, der nur von Insidern beherrscht wird). In der internationalen Gemeinde in Khartum: „Great is thy faithfulness.“ Beim Posaunenfest des Gemeinschaftverbandes: „Ein feste Burg ist unser Gott.“ (Ist bei achthundert Posaunen auch notwendig.) Im Gefängnisgottesdienst in der sudanesischen Wüste: Samamtu anni, atba’ Yasuu’i -– Ich bin entschieden zu folgen Jesus. (Bewegend angesichts der muslimischen Übermacht, der die Gefangenen ausgeliefert sind.)

Und so weiter und so fort. Wie gesagt, das ist nur eine Auswahl. Man
verzeihe mir, dass ich Klassiker wie: „Man sagt, er war ein Gammler“ und „Mein
schönste Zier und Kleinod bist“ nicht erwähnt habe, ebenso wenig wie „It’s
me, it’me, it’s me, o Lord“, „Hevenu shalom alechem“ oder „Wenn das rote Meer grüne Welle hat“.
Worlds of Worship. Welten der Anbetung. Oder sollte ich sagen: Wellen der Anbetung? Ich finde es großartig, dass es so viele verschiedene Lieder gibt, Musikrichtungen und Stile. Das ist ein ungeheurer Reichtum.
Und dennoch, finde ich, liegen ganze Bereiche lahm, wie gesagt, vor allem
bei uns in unserem Land. Zum Beispiel: Volkslieder. Ich finde, es sollte Volkslieder-Gottesdienste geben. Mit Schunkeln, Dirndl und allem Drum und Dran. Da wäre die Bude voll, und zwar mit Leuten, die sonst nie oder nur sehr selten in die Kirche kommen.

Oder Schlagergottesdienste. Warum haben wir keinen Guildo Horn auf geistlich? Oder Stefan Raab als Anbetungsleiter? Wo sind die christlichen Abbas, die Antons aus Tirol, die Christian Anderse und Marianne, wie hieß sie noch gleich? Oder: Country-Western Gottesdienste im Saloon. Oder: Opern als Gottesdienste. Mit großer Besetzung, tiefsten Bässen und hohem C und allem Lärm, der so richtig unter die Haut geht.

Ja, warum nicht? Denn nur so können wir die unterschiedlichsten Geschmäcker erreichen. Ich fordere angemessene Musik für meine Altersstufe! Wollt ihr mir wirklich Hip-Hop-Gottesdienste als Alternative anbieten? Meine Gehörgänge kriegen die Reime nicht mehr schnell genug sortiert. Oder Dancefloor-Events? Meine alten Knochen tun mir schon beim Zuschauen weh. Oder soll ich mich jetzt nur noch nach überseeischen Anbetungsmelodien aus dem soften Kalifornien im Takte wiegen? Ich gebe zu, das tut meinem Bluthochdruck gut.
Und dennoch: Ich fordere Musik, die auf mich und meinesgleichen als Zielgruppe zugeschnitten ist! Denn wir Senioren sind sowieso die größte gesellschaftliche Gruppe der Zukunft. Also: Drauf einstellen! Ich fordere: Macht mehr Musik! Damit die Leute wieder kommen. Denn die leben nach dem Satz: Wo man singt, da lass dich ruhig nieder…

Also: Ich freu mich drauf! Auf die musikalische Revolution. Denn schließlich fordert die Bibel: Singt dem Herrn ein neues Lied! So können wir die Welt für Jesus gewinnen – mit einem Lied. Oder auch ein paar mehr, wenn es nötig ist!

Herzlich
Euer
Roland

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