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Jahr: 2006

Ich lebe noch

Ich lebe noch

Lieber Leser! – Wenn es Dich überhaupt noch gibt…?

Fast ein halbes Jahr habe ich hier nichts reingestellt.

Warum? Sicher einfach völlig überlastet.

Und: Ich merke, dass die Sache mit dem Tod meines Vaters mich doch mehr beschäftigt hat, als ich gemerkt habe.

Aber – ich will wieder mal ab und zu hier was reinsetzen.

So viele meiner guten Freunde verewigen sich in der Welt des Blogs…

Da will ich nicht abseits stehen.

Also: Hier bin ich wieder.

Und zur Entschädigung für mein langes Schweigen setze ich hier einen Artikel rein, den ich vor ein paar Ausgaben in „dran“ veröffentlicht habe.

Seid gesegnet!
roland

 

Die Macht der Worte

Sechs Jahre verliebt, drei Jahre verlobt, dreiundzwanzig Jahre verheiratet. Das ist die nüchterne Bilanz unserer Beziehung. Elke Brands und Roland Werner. Alte Liebe rostet nicht, oder wie heißt der Spruch noch einmal? Schön, wenn es so leicht wäre!
Denn in all der Zeit haben wir miterlebt, wie manche Beziehung um uns herum zerbrochen ist. Alte Liebe mit Roststellen und mit Bruchstellen. Alte Liebe, die dann doch veraltete und schließlich auf dem Schrottplatz der Geschichte landete. Verletzte Männer, verbitterte Frauen, verwundete Herzen, verlorene Jahre.
Kinder, die auf der Strecke blieben, traurig und verunsichert.
Wie konnte das nur geschehen? Wie kann das auch bei Christen geschehen? Meist fing es mit den Worten an. Den Worten, die ausblieben, weil wir so beschäftigt sind mit dem Alltag, mit Arbeit und Hobby, mit Stress und Spaß. Da waren einfach keine Worte mehr. Keine Kraft, dem anderen zu sagen: Du, ich hab dich noch immer lieb wie am ersten Tag! Keine Lust, mal „Danke!“ zu sagen oder: „Bitte!“ oder einfach: „Ich liebe dich!“ Doch die fehlenden Worte sind durch nichts zu ersetzen. Wo sie hätten ertönen sollen, bleibt Leere zurück. Ein Nichts, das immer größer wird.
Nicht gesprochene Worte werden zu Wunden bei denen, die sich danach sehnen. Gestern sah ich es wieder bei IKEA. Eine Familie beim Einkaufen. Der Junge, vielleicht zehn Jahre, sagte: „Papa, guck mal, was ich hier habe!“ Keine Reaktion. Der Junge läuft ihm nach und versucht es noch einmal: „Papa, guck mal!“ Wieder keine Reaktion. Erst beim dritten Anlauf dreht sich der Vater kurz um, grunzt etwas Unverständliches und wendet sich wieder ab. Sein Sohn wird keines Wortes gewürdigt. Kein Lob, keine Anteilnahme, einfach kein Interesse. Respektlos. Am liebsten würde ich hinlaufen, den Vater schütteln, ihn fragen, ob er nicht merkt, was er tut beziehungsweise unterlässt. Ich möchte den Jungen ansprechen, ihn fragen, was er seinem Vater zeigen wollte. Würde gern der Vater für ihn sein, der ihn sieht und würdigt. Doch ich gehe weiter, sprachlos und hilflos.
Neben den fehlenden Worten sind da noch die absichtlich verletzenden Worte. Einer wird von den anderen fertiggemacht, herabgesetzt und entwürdigt. Nicht nur auf dem Schulhof, doch auch dort: Hänseleien, die vielleicht nicht so gemeint, und doch das Leben des anderen belasten. In seelsorgerlichen Gesprächen höre ich das andauernd. Tiefe Wunden, geschlagen von Kumpels und Freunden, von Brüdern und Schwestern und Eltern. Und auch von Eheleuten.
Worte wie Schläge, Worte, die den anderen festlegen, ihn klein machen und entmenschlichen. Tief graben sie sich ein in Denken und Herz und hinterlassen ihre giftige Ladung. „Du bist nichts wert! Du bist unfähig! Du bist doof! Du bist zu dick! Du bist zu klein! Das verstehst du nicht! Du hast keine Ahnung! Du bist ein Versager! Hau ab, hier hast du nichts zu suchen!“ Tausendfach fliegen sie wie feurige Pfeile des Bösen.
Wieso machen wir das eigentlich? Wieso tun wir das einander an? Müssen wir uns wirklich selbst aufbauen, indem wir andere kaputt machen?
Die Macht der Worte ist immens. Nicht nur Gottes Worte haben Macht. Auch unsere Worte. Macht zum Aufbauen und Macht zum Zerstören. Und je verwundeter eine Seele ohnehin schon ist, umso stärker wirken verletzende Worte in ihr.
Die Macht unserer Worte beschreibt Jakobus, der Bruder von Jesus eindrücklich: „Ebenso ist es mit der Zunge: Sie ist nur klein und bringt doch gewaltige Dinge fertig. Denkt daran, wie klein die Flamme sein kann, die einen großen Wald in Brand setzt! Auch die Zunge ist ein Feuer. Sie ist eine Welt voller Unrecht und beschmutzt den ganzen Menschen. Sie setzt unser Leben von der Geburt bis zum Tod in Brand mit einem Feuer, das aus der Hölle selbst kommt. Der Mensch hat es fertig gebracht, alle Tiere zu bändigen: Raubtiere, Vögel, Schlangen und Fische. Aber die Zunge hat noch niemand bändigen können, diesen ruhelosen Störenfried, voll von tödlichem Gift. Mit der Zunge loben wir Gott, unseren Herrn und Vater – und mit ihr verfluchen wir unsere Mitmenschen, die nach Gottes Bild geschaffen sind. Aus demselben Mund kommen Segen und Fluch. Meine Brüder und Schwestern, das darf nicht sein!“ (Jakobus 3)
Ja, das darf nicht sein! Ich will das in meinem Leben nicht haben. Ich will nicht, dass durch meine Worte andere verletzt werden. Und doch erkenne ich, wo ich genau das getan habe. Wo ich mit meinen Worten andere fertig gemacht habe. Manchmal ungewollt und aus Versehen, manchmal aber auch mit voller Absicht. In allen Fällen tut es weh und wirkt zerstörerisch. Ich weiß: Ich kann meine Worte einsetzen wie Waffen. Gerade in der Ehe und überhaupt bei Menschen, die ich gut kenne, und doch eigentlich lieb habe.
Die Macht meiner Worte ist groß, das weiß ich. Deshalb bete ich: „Herr, lass meine Worte Heilung bringen. Lass mich Wahres sprechen und das, was aufbaut. Hilf mir, Gutes zu sagen. Ich will mit meinen Worten mithelfen, dass andere heil werden. Hilf mir, ein Segen zu sein. Für meine Frau. Für meine Familie und Freunde. Für meine Gemeinschaft und Gemeinde. Für meine Umgebung. Für diese Welt. Du, Jesus, hast Worte des ewigen Lebens. Und die will ich dir nachsprechen.“

Calling all Nations 15. Juli Berlin

Calling all Nations 15. Juli Berlin

Liebe Grüße an alle Leser!

Ich habe länger nichts von mir hören lassen. Hier nun eine kleine Stellungnahme zu einem aktuellen Thema:

Kurze Stellungnahme zum „Zwischenruf“

Warum man sehr wohl zu Calling All Nations fahren kann

In diesen Tagen macht eine email die Runde, die von einer Teilnahme an der Veranstaltung „Calling all Nations“ am 15. Juli 2006 im Olympiastadion in Berlin abrät. Sie ist verfasst von Dr. Theo Lehman, Lutz Scheufler und Hartmut Zopf. Als Leitungskreis wollen wir dazu kurz Stellung nehmen.
Wir sind enttäuscht, dass die genannten Brüder in einer kritischen Phase der Vorbereitung eine Mail mit irreführenden Vorwürfen verbreiten, ohne vorher das Gespräch mit uns gesucht zu haben. Sie kritisieren sowohl den Preis als auch inhaltliche Aspekte. Auch wir hätten uns gewünscht, solch einen Tag ohne Teilnahmebeitrag durchführen zu können und tun derzeit alles, um das Budget noch einmal drastisch zu kürzen. Die Charakteristik einer Stadionveranstaltung verursacht Unkosten, die nicht zu umgehen sind. Calling all Nations wird von keiner offiziellen Seite subventioniert und muss sich ganz aus den Ticketverkäufen sowie Spenden finanzieren.
Bei zur Zeit gut 16.000 verkauften Tickets hoffen wir auf 25.000 Teilnehmer, damit alle Kosten gedeckt werden können. Alle Mitwirkenden haben deswegen auf Honorare, Gagen, und Erstattung der Kosten für Fahrt und Unterbringung verzichtet. Dafür sind wir dankbar.
Wenn der im „Zwischenruf“ aufgebauschte Gegensatz zwischen Geld für eine christliche Veranstaltung einzusetzen oder direkt für die Mission zu geben, so richtig wäre, könnte die Mehrzahl christlicher Aktionen gar nicht stattfinden.
Die Vision der Veranstaltung ist, Christen zum Lob Gottes zusammenzuführen, sie zum Gebet für unser Land und die Welt zu ermutigen und das Anliegen der weltweiten Mission zu betonen. Dies kommt im Programm durch Loblieder, Gebete und mehrfache Predigteile zum Ausdruck. Wir sind ermutigt, dass viele Christen aus den unterschiedlichsten Kirchen und Prägungen dieses Anliegen verstanden haben und gemeinsam feiern, beten und Gottes Wort hören wollen.
Die uns unterstellten Sonderlehren wie z.B. „Wohlstandsevangelium“ und ähnliches spielen weder im Veranstalterkreis noch an dem Tag selbst eine Rolle. Auch der Vorwurf, im Programmheft fänden sich keine biblischen Begründungen, ist nicht wahr.
Als Veranstalter hoffen wir, dass sich noch viele spontan auf den Weg nach Berlin machen und sich von dem „Zwischenruf“ nicht in dem Anliegen irre machen lassen, gemeinsam den dreieinigen Gott in einer großen internationalen Gemeinschaft von Christinnen und Christen anzubeten.
Karten sind nach wie vor im Vorverkauf und auch am Tag selbst am Olympiastadion erhältlich.

www.callingallnations.com

Der Leitungskreis von Calling all Nations, 20. Juni 2006

Danke Vater

Danke Vater

Am Dienstag, den 6. Juni 2006, ist mein Vater gestorben, vier Wochen nach seinem achtzigsten Geburtstag.
Gestern haben wir seinen Körper in die Erde gelegt.
Er selbst ist schon längst bei Gott.
Ich bin dankbar für sein Leben und all das, was er in mich und uns alle investiert hat.
Über die Traueranzeige haben wir einen Vers aus den Psalmen gesetzt, der sein Leben charakterisiert:

„Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt!“
Psalm 26, 8

In allem Wechsel seines Lebens – von Labes in Pommern, wo er geboren wurde, über die Kriegsgefangenenjahre in Ägypten – er war mit 17 Jahren eingezogen worden -, über Duisburg, wo er meine Mutter kennen lernte und unsere Familie wohnte und Mettingen bei Osnabrück, wo sie die letzten fast 18 Jahre lebten – zog sich das durch: Vater wollte dort sein, wo Gottes Haus ist, wo Menschen an Gott glauben und als Christen gemeinsam lebten und feierten, Freuden und Leiden miteinander teilten.

Geboren als achtes von elf Kindern war er von Anfang an gemeinschaftsfähig.

Ich danke Gott für so einen Vater und danke ihm und meiner Mutter, die jetzt mit 82 Jahren einen neuen Lebensabschnitt durchleben muss, für alles.

p.s. Die letzten Wochen waren von vielen Fahrten nach Mettingen gekennzeichnet. Die Tage nach dem Tod war ich bei meiner Mutter und unterstützte sie in allen praktischen Dingen.

Eltern

Eltern

Die letzten Wochen waren voll. Viele Reisen, viele Ereignisse. Volle Gottesdienste, Seminare und vieles mehr.
Habe ein neues Buch zuende geschrieben, das im Herbst im Neufeld-Verlag erscheinen soll. Titel:
Jesus Christus? Sieben Gründe, warum ich ihm nachfolge.
Bin gerade noch an einem zweiten Buch.
Am meisten beschäftigt mich aber die Tatsache, dass mein Vater, dessen 80. Geburtstag wir letzte Woche feiern wollten, seit fast 3 Wochen im Krankenhaus liegt.
Die Feier wurde abgesagt. Ich konnte ihn an seinem Geburtstag besuchen.
Aus diesem Anlass füge ich einen Artikel an, den ich vor einigen Monaten für „dran“ geschrieben habe.
Er drückt am besten aus, was ich zur Zeit empfinde.

Liebe Grüße an alle, die dies lesen

roland

 

Meine Eltern

Irgendwie habe ich Lust, heute etwas über meine Eltern zu schreiben. Ob das daran liegt, dass ein Bild von ihnen hier bei mir im Arbeitszimmer steht? Oder daran, dass ich mit zunehmendem Alter nostalgischer werde? Wie auch immer, das ist heute mein Thema.

Eins ist mir klar: Ich kann mich wirklich glücklich preisen, dass ich solche Eltern habe. Inzwischen sind sie beide um die achtzig Jahre alt, meine Mutter immerhin schon einundachtzig und mein Vater bescheidene neunundsiebzig. Ihre goldene Hochzeit ist schon ein paar Jährchen her, schließlich haben sie 1951 geheiratet, und wirklich „in Freud und Leid“ zueinander gehalten. Als einer, der gerade mal die Zwanzig-Ehejahre-Grenze durchstoßen hat, finde ich das eine ziemliche Leistung.

Wobei bei ihnen auch nicht alles immer Friede, Freude, Eierkuchen war. Doch Erika und Martin, so heißen die beiden nämlich, haben es immer wieder geschafft, nämlich trotz unterschiedlicher, oft sogar völlig entgegengesetzter Ansichten, aufeinander zuzugehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie nie aufgehört haben, miteinander zu beten. Es werden nur wenige Tage gewesen sein, wo sie nicht am Abend gemeinsam am Bett niedergekniet sind und alles, was ihnen wichtig war, dem himmlischen Vater anbefohlen haben.

Dabei sind meine Eltern alles andere als das, was man klassisch als „fromm“ verstehen würde. Meine Mutter zum Beispiel ist bis auf den heutigen Tag ein unglaublich kritischer Geist, der sich über alles und jedes Gedanken macht. Dass dabei manchmal auch Dinge sind, die sie streng genommen nicht direkt etwas angehen, muss man dabei in Kauf nehmen. Auf jeden Fall nimmt sie intensiv Anteil an dem, was in der Welt und ihrer Umgebung geschieht. Immer wieder erstaunt sie mich mit ihren Nachfragen. Sie erinnert sich an Leute, die sie jahrelang nicht gesehen hat und will alles genau wissen. Manchmal etwas nervig, aber auf jedenfall hundertmal besser als uninteressierte Gleichgültigkeit.

Bücher liest sie bis heute ohne Ende, und ruft zu allen möglichen Tag- und Nachtzeiten an, um mit mir darüber zu diskutieren, wenn sie etwas nicht verstanden hat oder anderer Meinung als der Autor ist. Ganz besonders, wenn irgendwo soziales Unrecht geschieht, muss sie ihrer Empörung Luft machen. Meine Mutter war und ist eine kleine Revoluzzerin und scheut auch vor Konflikten nicht zurück.

Mein Vater ist das genaue Gegenteil. Harmonie ist das oberste Gut, und in jedem Verhalten sucht er noch den guten Kern oder zumindest die gute Absicht. Und findet auch meistens etwas. Und fürsorglich ist er bis zum Anschlag. Wenn ich als Student nach Hause kam, fand ich unweigerlich am nächsten Morgen meine Schuhe geputzt vor. Manchmal ging mir das auf den Geist. Ich fand es unmöglich, dass mein Vater fast keine eigenen Bedürfnisse zu haben schien, sondern sich immer nur darum bemühte, anderen einen Gefallen zu tun und ihnen das Leben zu erleichtern. Doch beim genauerem Hinschauen muss ich sagen, dass hier eine unglaubliche Stärke sichtbar wird. Selbstlosigkeit zeigt, dass man seine Mitte gefunden hat und sich selbst deshalb einfach los lassen kann.

Was ich von meinen Eltern gelernt habe? Drei Dinge fallen mir sofort ein: Der Umgang mit Geld, Engagement für die Kirche und weltweiter Horizont.

Erstens: Geld. Als Flüchtling aus Pommern und nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft in Ägypten kam mein Vater völlig abgebrannt ins Ruhrgebiet, wo er meine Mutter traf. Gemeinsam bauten sie sich eine bescheidene Existenz auf. Jeder Pfennig wurde zweimal umgedreht. Und doch waren sie, wenn es um die Gemeinde oder um Hilfe für andere ging, immer großzügig. Sie verzichteten oft selbst, um anderen helfen zu können. Bei Geldsachen genau und großzügig zugleich zu sein, das habe ich von meinen Eltern gelernt.

Zweitens: Engagment für die Kirche. Es war für sie selbstverständlich, dass meine Eltern in der örtlichen Kirchengemeinde mitarbeiteten. Natürlich ehrenamtlich, aber umso intensiver. Viele Jahre leiteten sie den Kindergottesdienst. Meine Mutter spielte Orgel, und auch meinen beiden Brüdern und mir blieb dies nicht erspart: Orgel lernen war angesagt! Auf jeden Fall war das normal: Christsein heißt, sich einbringen in die Gemeinde. Aber nicht unkritisch. Zu oft litten meine Eltern unter der Selbstherrlichkeit mancher Pfarrer, die für einige Jahre da waren, dann aber natürlich immer als Chefs auftraten. Das war nicht immer leicht zu ertragen. Auch nicht, zu erleben, wie systematisch gute Traditionen kaputt gemacht wurden. Aber meine Eltern sind dennoch ihr Leben lang der Kirche treu geblieben. Erstens gehörte das zum guten Ton und zweitens zum Glauben an Gott dazu. Mich einzusetzen und nicht unbedingt Dank und Anerkennung zu erwarten, das habe ich von meinen Eltern gelernt.

Und drittens: Der weltweite Horizont. Obwohl sie in bescheidenen Verhältnissen lebten – mein Vater war einfacher Postbeamter, meine Mutter Sekretärin, erst bei der Kripo und dann bei einer Schule – waren sie immer weltoffen. Auch wenn kaum Geld da war, ihnen war wichtig, uns Kindern die Welt zu zeigen. Und so fuhren wir schon ganz früh über die Alpen, in dem Auto, das uns nur zur Hälfte gehörte – die andere Hälfte meinem Onkel und meiner Tante. Und obwohl sie es sich eigentlich nicht leisten konnten, schickten sie mich zum Austausch in die USA. Denn Weitblick und Bildung, das war ihnen wichtig. Und bis ins hohe Alter reisten sie selbst, Russland, USA, Türkei, Israel, England, Frankreich und so weiter. Weltoffenheit – auch das habe ich von ihnen gelernt.

Aber vor allem eins ist für mich das Erbe meiner sicher nicht vollkommenen und fehlerfreien Eltern: Gott gehört einfach dazu. Alles andere wäre dumm.

Das ist doch was, oder?

Herzlich, Euer

Roland Werner

Passion heute

Passion heute

Passion heute

Ich komme gerade vom CT Gottesdienst. Jetzt in den Semesterferien, sind weniger Leute in der Pfarrkirche als sonst, nur zwischen 300 und 350.
Heute war mein Thema: Vom Volkshelden zum Angeklagten – Warum Jesus sterben musste.
Wer sie hören will, kann sie sich in ein paar Tagen von der CT-Homepage herunterladen (www.christus-treff.org).

Jesus musste sterben.
Warum?

Dazu aus dem Vorwort meines Buches „Provokation Kreuz“

Es ist schon starker Tobak, was das Neue Testament uns zumutet: Die Hinrichtung eines Menschen, der ganz und gar unschuldig war, in allen Einzelheiten geschildert. Das finde ich provozierend.

Es ist schon ein starkes Stück, dass Jesus von Nazareth nicht versucht hat, auszuweichen. Er ging den Weg zum Kreuz bewusst, sehenden Auges und ohne zurückzuweichen. Das finde ich unglaublich.

Es ist schon heftig, dass die gleichen Leute, die von ihm profitiert hatten, ihn jetzt verstießen und ihn an die römischen Besatzer auslieferten, damit diese das Todesurteil vollstreckten. Das finde ich gemein.

Es ist schon unerhört, dass Jesus noch am Kreuz für die betet, die das alles verschuldet hatten. Er hält die Liebe, die sein Leben gekennzeichnet hat, zu allen bis zum Ende durch. Das finde ich einzigartig.

Es ist schon jenseits aller Vorstellungskraft, dass ein ausgepeitschter, an die Holzbalken genagelter Mann, der vor aller Augen seinen letzten Atemzug tat, am dritten Tag den Tod hinter sich gelassen hat wie ein altes Kleid, das nicht mehr gebraucht wird. Das finde ich unglaublich.

Es ist schon herausfordernd, dass es bis heute Menschen gibt, die behaupten, auf echte und spürbare Weise mit diesem Mann vom Kreuz in Kontakt zu sein. Er lebt, so behaupten sie, und nimmt Anteil an allem, was geschieht. Das finde ich nachprüfenswert.“

Ich will in den nächsten Tagen bewusst darüber nachdenken, was das für mich bedeutet.

Und für diese Welt, deren Wirklichkeit leider an vielen Stellen auch von dem Thema „Passion“ gekennzeichnet ist:

z.B. in Darfur, wo nach wie vor Dörfer niedergebrannt werden, Frauen vergewaltigt, Kinder in die Sklaverei verkauft werden,

und an vielen Stellen.

Für mich ist es tröstlich zu wissen, dass Jesus diese harten Realitäten selbst erfahren hat.

Wir Christen glauben nicht an eine abstrakten Gott, keine philosophische Idee des höchsten Guten, sondern an einen menschgewordenen Schöpfer, der sich selbst erniedrigt bis in die blutige Wirklichkeit des Verbrechertods am Kreuz hinein.

Diesem verwundeten Gott kann ich mein verwundetes Leben anvertrauen.

Hier ist Heilung möglich, denn hier findet sich ein Heiland.

Roland

München, Marburg und mehr

München, Marburg und mehr

Hier bin ich wieder – schreibe diese Zeilen in München, wo ich für ein paar Tage bei ProChrist mithelfe.
München ist eine super Stadt, und ich habe neben bewegenden Abenden auch viele nette Leute getroffen.
Seit fast zwei Wochen sind wir aus Afrika zurück. Dort ging es hervorragend, Einzelheiten kann ich leider dem Blog nicht anvertrauen.
Wir hatten teilweise über 40 Grad, und das im Februar, da war der Temperatursturz ziemlich krass.
Es war super, unsere Freunde in Marburg wieder zu treffen.
Gerade bin ich dabei, zwei Buchmanuskripte fertig zu stellen, freue mich auf das Ergebnis.
Das in aller Kürze – nur als Meldung, dass ich wieder da bin und auch Internet-Zugang habe.

Ach ja, was mich freut, ist unser neues CT-Magazin InContaCT mit dem Thema „Aufbrüche – Umbrüche“.
Wer es noch nicht hat, kann es im CT-Büro Steinweg 12 Marburg bestellen.

Auf der Rückseite haben ich einen kleinen Text geschrieben, den ich hier noch mal einfüge.

Gottes Segen allen, die dies lesen

Roland

 

aufbruch

wenn das, was gestern war
und das, was heute ist
den blick versperrt
auf das
was kommen wird
was sein könnte
wohin wir gehen sollten

dann ist aufbruch
nur ein wort
ein traum
eine sehnsucht

doch wir sind zu faul
zu bequem
zu eitel
um wirklich aufzubrechen

denn aufbruch tut weh
gewohntes wird zurückgelassen
das haus wird abgebrochen
in dem wir so lange gelebt haben

doch schon hat Gott ein zelt für uns bereit
mit dem wir aufbrechen können
eine wohnstatt für die zwischenzeit

denn nur das ist es
ein pilgern auf dem weg
wir haben hier keine bleibende stadt
doch die zukünftige suchen wir

der menschensohn hatte keinen ort
darauf er sein haupt legen konnte

wir haben mehr
geschenkte zeit
gegnadetes leben

doch lasst uns haben als hätten wir nicht
gebrauchen ohne zu besitzen
genießen und uns freuen
doch auch teilen und weiterschenken

denn das beste kommt noch
wenn der könig am ende die türen öffnet
und sagt
seid willkommen
ihr gesegneten des herrn!

Boston und Bett

Boston und Bett

Hier bin ich wieder, nach mehr als einem Monat!
Zuerst crashte mein PC, dann war ich zwei Wochen zum Unterricht in den USA, und nun lag ich fast eine Woche im Bett.
Aber ich lebe wieder, und freue mich, am Samstag für fünf Wochen in mein afrikanisches Lieblingsland zu reisen, wie jedes Jahr um diese Zeit.
Hier im Christus-Treff geht es super, wer sich darüber informieren will: Ich empfehle das Blog von Andy Goodacre: lifeincolour.com.

Boston war cool, ich habe einen Intensivkurs an einer theologischen Hochschule unterrichtet – im Gordon Conwell Theological Seminary. Thema: Islamisch-christliche Beziehungen durch die Jahrhunderte. Hört sich harmlos an, hat es aber in sich, denn genau diese Fragen sind heute Topthemen der Welt.

Noch schmoren wir zu sehr im eigenen Saft und erkennen nicht, dass die Herausforderung der Zukunft die Frage nach dem Islam ist. Die Europäer – auch die Christen – werden sich vor der Frage sehen: Warum Christ bleiben und nicht einfach Muslim werden?
Das wird noch spannend.
Denn da brauchen wir eine ganz neue Kultur theologischer Überzeugung unter uns Christen.

Na ja, ich will niemanden belehren, das fiel mir nur so ein.

Übrigens, Gordon Conwell ist eine super Ausbildungsstätte, und die Studentinnen und Studenten dort haben mich sehr beeindruckt in ihrer Kombination von denkendem Glauben und Leidenschaft für die Sache Gottes.

Was mich auch noch freut: In zwei bis drei Wochen kommt die neue CT-Zeitschrift heraus, nach einer jahrlangen Pause.

Mit Artikeln von Gottfried Müller, Elke Werner, Steve Volke, Christina Brudereck, John Peters, Dietmar Pfennighaus, Savo Ivanic und und und…

InContaCT heißt das Teil, und es wird eine ganz tolle Plattform für Denken und Kommunikation.

Im CT haben wir jetzt wöchentlich 4 Gottesdienste, neben Donnerstag in der Pfarrkirche – 20 Uhr – zwei am Sonntag morgen 10 Uhr und 12 Uhr – und englisch am Abend 19:30.

The Church is emerging!

Das finde ich gut.

Soweit für heute

Be blessed

roland