Kleine Tugendlehre Teil 2

Kleine Tugendlehre Teil 2

Die Suche nach Erkenntnis

So wendet alle Mühe daran und erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis.

2. Petrus 1, 5-8

Nehmt meine Zucht an lieber als Silber und achtet Erkenntnis höher als kostbares Gold. Denn Weisheit ist besser als Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen.


Sprüche 8, 10-11

Alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Kraft.

2. Petrus 1, 3

Das Verhältnis von uns Christen zur Erkenntnis war nicht immer einfach. Brauchen wir überhaupt Erkenntnis? Reicht es nicht aus, einfach zu glauben? Zeigt sich starker und echter Glaube nicht gerade dadurch, dass er auf Wissen und Erkenntnis verzichtet?

Und hing nicht auch der Sündenfall mit dem Versuch des Menschen zusammen, Erkenntnis gewinnen zu wollen? Ist die Suche nach Erkenntnis nicht die Wurzel vielen Übels? Schließlich hat schon Matthias Claudius in seinem Abendlied über die Menschen gesagt: „Sie spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel.“ Ist es nicht besser, einfach und schlicht wie ein Kind zu glauben und das Streben nach Erkenntnis den Gelehrten zu überlassen?

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Kleine Tugendlehre Teil 1

Kleine Tugendlehre Teil 1

Ein Lob der Tugend

Weiter, liebe Brüder: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht.

Philipper 4, 8

So wendet alle Mühe daran und erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis und in der Erkenntnis Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Frömmigkeit und in der Frömmigkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe die Liebe zu allen Menschen. Denn wenn dies alles reichlich bei euch ist, wird’s euch nicht faul und unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus.

1. Petrus 1, 5-8

Von Tugend zu reden fällt uns nicht leicht. Jedenfalls uns Evangelischen nicht. Denn schließlich haben wir es gelernt, ja regelrecht mit der Muttermilch aufgesogen, dass wir durch die Gnade allein gerettet sind. Sola gratia – die alleingenügsame Gnade –, das ist der Grund unserer Existenz als Christen. Gott tut alles, und wir können nichts – oder fast nichts – tun. Welchen Platz hat da überhaupt das Reden von „Tugenden“? Schmeckt dieses Wort nicht nach Werkgerechtigkeit, danach, dass wir uns selbst unser Heil basteln wollen? Und riecht es nicht nach moralischer Selbstverbesserung, danach, dass man sich selbst einen höheren Stand erarbeiten will, von dem aus man dann die anderen herablassend beurteilen und vielleicht auch verurteilen kann?

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Zerstört die Mission die Kultur? – Einsichten aus Afrika und anderswo

Zerstört die Mission die Kultur? – Einsichten aus Afrika und anderswo

Jedes Jahr verbringe ich mehrere Monate in afrikanischen Ländern. Meine Aufgabe ist es, afrikanische Stammessprachen und Kulturen zu erforschen und wissenschaftlich zu beschreiben. Als Christ und Wissenschaftler höre ich manchmal den Vorwurf, der von verschiedenen Seiten erhoben wird, die christliche Mission habe überall, wo sie hingekommen ist, die Kultur zerstört. Menschen würden aus ihren gewohnten Lebensbezügen herausgerissen, entwurzelt und ihrer eigenen Kultur entfremdet. In einer extremen Form geht der Vorwurf sogar wo weit, dass behauptet wird, die Probleme Afrikas und anderer Gebiete in der so genannten Dritten Welt seien letztlich auf die christliche Mission zurückzuführen. Stimmt das?

Nun könnte man viel dazu sagen. Man müsste sehr differenziert berichten. Die Frage, die ich allerdings habe, ist, ob das dann überhaupt gehört würde. Wo nur ideologisch gedacht wird, bestimmt nicht. Wo ein bestimmtes politisches Glaubensbekenntnis zu Wissenschaft erhoben und absolut gesetzt wird, ist kein echtes Gespräch mehr möglich. Dennoch will ich versuchen, zu dem Vorwurf, die Mission zerstöre Kulturen, auf dem Hintergrund meiner Erfahrungen und Forschungen etwas sagen.

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Salz im religiösen Eintopf? – Missionarisch leben im Zeitalter oberflächlicher Toleranz

Salz im religiösen Eintopf? – Missionarisch leben im Zeitalter oberflächlicher Toleranz

In der Ringparabel in „Nathan der Weise“ erzählt Gotthold Ephraim Lessing von einem Vater, der einen wertvollen Ring besitzt. Auf seinem Sterbebett lässt er seine drei Söhne kommen. Jedem übergibt er einen Ring mit der Aussage, dass dieser der wahre sei. Dann stirbt er. Keiner der Söhne weiß, ob er das Original oder die Kopie hat. Jeder glaubt aber natürlich, dass sein Ring der echte ist.

Diese Ringparabel drückt eine Grundauffassung der Aufklärung aus: Die Religionen – hier durch die Ringe symbolisiert – sind alle nützlich, da und insoweit sie dem Gläubigen das Gefühl geben, etwas Wertvolles zu besitzen. Sie sind aber da schädlich, wo sie zur Abgrenzung von den anderen und einem absoluten Wahrheitsanspruch führen. Die Moral von der Geschichte: Jeder soll seine eigene Auffassung haben, diese aber nicht zur Norm erheben. Nur, wenn der eigene Glaube mit Zweifel gepaart ist, kann Religion nützlich sein und ihr friedensgefährdendes Potential in Schach gehalten werden.

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Der Skandal um Gottes Sohn

Der Skandal um Gottes Sohn

Ein Mensch stirbt für uns alle, um uns durch seinen Tod am Kreuz mit Gott zu versöhnen. Das regt die Menschheit auf – damals wie heute.

Es war ohne Zweifel eine der grausamsten Methoden, mit der Menschen auf brutale und schreckliche Weise getötet wurden: Zwei Balken. Der eine in die Erde gerammt, der andere hochgezogen und oben quer in eine Einkerbung eingepasst. Daran ein Mensch, angenagelt, bis er stirbt. Kreuzigung im Römischen Reich.

In Sachen Kreuzigung hatten sich die Römer zu Experten entwickelt. Sie hatten diese grausame Hinrichtungsart von ihren Erzfeinden, den Karthagern, übernommen, die sie in den drei großen punischen Kriegen niedergezwungen hatten. Eine Kreuzigung und damit auch das Kreuz hatte für die Römer jedoch immer den Geruch des Ausländischen und Anstößigen. Cicero drückte die Abscheu des römischen Bürgers gegenüber der Kreuzigung so aus: „Henker, Verhüllung des Hauptes und schon das bloße Wort ‚Kreuz’ sollen fernbleiben nicht nur dem Leib der römischen Bürger, sondern auch ihren Gedanken, ihren Augen, ihren Ohren.“

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Wie der Wind weht… Weltweite geistige Strömungen unserer Zeit

Wie der Wind weht… Weltweite geistige Strömungen unserer Zeit

Ja, wie sieht sie denn aus, die geistige – und auch geistliche – Großwetterlage? Was können wir über weltweite Entwicklungen wissen und mit Bestimmtheit aussagen? Wohin dreht sich der Wind der Meinungen und Überzeugungen?

Es kann kaum ein spannenderes Thema geben, denn wir spüren, dass weltweite Veränderungen uns mehr und mehr auch in unserem eigenen Umfeld betreffen. Die oft beschworene Globalisierung ist nicht nur auf der Ebene unseres Denkens angekommen, sondern wird zunehmend zu einer gefühlten Wirklichkeit. Dabei geht es nicht nur um solche symbolhaften Realitäten wie der erstaunlichen Tatsache, dass inzwischen McDonalds nicht in den USA und Kanada, sondern auch auf dem europäischen Kontinent, ja in Moskau, Kairo, Tel Aviv, in Tokio, Seoul und sogar in Peking die Menschen zu einer Ernährungsumstellung anregt. Nein, die Globalisierung hat nicht nur das Konsumverhalten bei der Nahrungsaufnahme und auch nicht nur die sich vereinheitlichende Kleidung oder das weltweit von Hollywood und jetzt auch von Bollywood vorgegebenen Freizeitverhalten radikal verändert. Sie ist spätestens seit dem 11. September auch in der Gefühlswelt angekommen. Instinktiv empfinden wir: Das, was im fernen Afghanistan gedacht und verkündet wird, das, was Koranschüler in ihren Schulen im Westen Pakistans lernen, das kann uns unmittelbar betreffen. Der Wind hat sich gedreht und bläst uns voll ins Gesicht.

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Die vielen Götter und der eine Gott

Die vielen Götter und der eine Gott

„Warum müssen die Christen immer Jesus in den Mittelpunkt stellen? Reicht es nicht, über Gott zu reden?“ Solche Fragen höre ich öfter. Gerade im Gespräch mit anderen Religionen ist die Frage nach Jesus zentral. Welche Bedeutung hat er? Ist er, wie der Islam sagt, nur ein Prophet und Vorläufer von Mohammed? Oder ist er, wie manche Hindus sagen, einfach ein weiterer Avatar, eine neue Erscheinungsweise der ewigen Gottheit, in einer Reihe mit Krishna und anderen?

Wenn wir doch so viel gemeinsamen Boden haben und alle auf unsere Weise an Gott glauben, wieso müssen dann Christen immer noch auf Jesus und dem Glauben an ihn bestehen? Wäre es nicht besser, im Sinne des Welt- und Religionsfriedens Gemeinsames zu betonen und Trennendes außen vor zu lassen? Reicht es nicht, von Gott zu reden — muss es unbedingt auch noch Jesus sein?

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